Regenwald-Schutz und Klimaneutralität: Brasilien und Australien setzen Ziele

Wenige Tage vor der UN-Klimakonferenz COP26 erklärte die Regierung Brasiliens nun, die illegale Abholzung im Amazonasgebiet bis 2028 beenden zu wollen. Australien kündigte indes an, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen.

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Im Jahr 2020 wurde im Amazonasgebiet laut Satellitendaten Regenwald im Ausmaß von rund 4340 Fußballfeldern pro Tag abgeholzt – das bedeutet im Vergleich zum Jahr davor einen Anstieg um 9,5 Prozent.
© CARL DE SOUZA

Glasgow – Kurz vor dem Start der UN-Klimakonferenz COP26 hat Brasiliens international unter Druck geratene Regierung Maßnahmen zum Erhalt des Amazonasgebiets versprochen. Die brasilianische Delegation wird Vizepräsident Hamilton Mourão zufolge bei der COP ankündigen, die illegale Abholzung des Amazonas-Regenwalds bis 2027 oder 2028 zu beenden.

Präsident Jair Bolsonaro hatte im April beim Klimagipfel von US-Präsident Joe Biden noch 2030 als Ziel genannt. „Ein ehrgeizigeres Ziel wäre bei der internationalen Gemeinschaft meiner Meinung nach sehr willkommen“, sagte Mourão bei einer Pressekonferenz am Montag (Ortszeit).

Regenwald-Abholzung legte im Vorjahr weiter zu

Nach Angaben des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (Inpe), das Satellitendaten auswertet, legte die Abholzung des Regenwalds im brasilianischen Amazonasgebiet bis zum Vorjahr weiter zu. So wurden zwischen August 2019 und Juli 2020 laut Inpe 11.088 Quadratkilometer Amazonaswald abgeholzt. Das entspricht rund 4340 Fußballfeldern pro Tag oder drei Fußballfeldern pro Minute – und bedeutet im Vergleich zum vorherigen Zeitraum einen Anstieg um 9,5 Prozent. Die abgeholzte Fläche war die größte seit 2008.

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Brasilien, wo in weiten Teilen in den vergangenen Monaten Wassermangel und Trockenheit geherrscht hat, wird eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz zugeschrieben. Der Anteil des südamerikanischen Landes am Amazonasgebiet, das als wichtiger Speicher des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 gilt, entspricht flächenmäßig der Größe Westeuropas. Präsident Bolsonaro sieht das Amazonasgebiet vor allem als ungenutztes wirtschaftliches Potenzial.

Australien nennt erstmals Zieldatum für Klimaneutralität

Australien hat indes nun doch ehrgeizigere Klimaziele angekündigt. Lange hatte sich der konservative Premierminister Scott Morrison geweigert, ein konkretes Datum für das Erreichen der Klimaneutralität vorzulegen – am Dienstag erklärte die Regierung nun, bis zum Jahr 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen auf null reduzieren zu wollen.

Darauf habe er sich mit seinem Koalitionspartner NPA verständigt, sagte Morrison. Die Nationale Partei Australiens ist ein Befürworter der Kohleindustrie und erhält im Gegenzug einen weiteren Posten im Kabinett. Erreicht werden soll das Ziel unter anderem durch eine Senkung der Kosten für Wasserstoff und „ultra-günstige“ Solarenergie und Langzeitspeicher. „Wir sind Spitzenreiter in der Welt, was Solarstrom betrifft“, sagte Energieminister Angus Taylor. Ein Viertel aller Häuser beziehe seinen Strom bereits aus Sonnenenergie. „Kein anderes Land ist auf diesem Level.“

Ziele bis 2030 werden von Australien nicht verschärft

Die anvisierten Reduktionsziele bis 2030 würden aber nicht weiter verschärft, so Morrison weiter. Diese sehen vor, die Emissionen bis dahin um 26 bis 28 Prozent gegenüber den Werten von 2005 zu senken. Die neuesten Prognosen zeigten, dass Australien auf dem besten Weg sei, die Emissionen bis 2030 sogar um 30 bis 35 Prozent zu senken, hieß es.

Obwohl gerade Australien schwer vom Klimawandel betroffen ist, hat das Land lange gezögert, sich zu ambitionierten Klimazielen zu verpflichten. Gleichzeitig ist Down Under einer der größten Kohleexporteure der Welt und hat eine der höchsten CO2-Emissionsraten pro Kopf. Morrison hatte wochenlang offen gelassen, ob er überhaupt zum Klimagipfel fahren würde und erst Mitte Oktober seine Teilnahme bestätigt.

Attenborough: „Wenn wir jetzt nicht handeln, ist es zu spät“

Zu Wort meldete sich am Dienstag auch der legendäre Dokumentarfilmer David Attenborough (95). Er mahnte die Staats- und Regierungschefs mit Nachdruck zu mehr Einsatz gegen den Klimawandel. „Wenn wir jetzt nicht handeln, ist es zu spät. Wir müssen es jetzt tun“, sagte der Brite in einem am Dienstag ausgestrahlten Gespräch mit der BBC. „Jeder Tag, der vergeht, an dem wir nichts dagegen tun, ist ein verlorener Tag.“

Wohlhabendere Staaten wie Großbritannien hätten zudem eine moralische Verantwortung, um Klimaflüchtlingen zu helfen. „Wir haben es verursacht – unsere Art der Industrialisierung ist einer der Hauptfaktoren für diesen Klimawandel“, sagte Attenborough.

COP beginnt am Sonntag in Glasgow

Die COP beginnt am Sonntag (31. Oktober) im schottischen Glasgow. Dabei soll besprochen werden, wie das 2015 in Paris formulierte Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreicht werden kann. Dazu sollten alle Länder Aktionspläne auflegen. Allerdings fehlen von zahlreichen Staaten noch die Vorhaben oder sie gehen nicht weit genug. (TT.com, APA/dpa)


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