Steiermark verschärft Maßnahmen, Tirol fordert Eigenverantwortung

Prognosekonsortium rechnet in den nächsten Wochen mit bis zu 435 Intensivpatienten. Leja mahnt zur Einhaltung von 3 G und Hygieneregeln.

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Obwohl sich mehr doppelt Geimpfte anstecken, schützt die Impfung in hohem Maß vor schweren Verläufen. Die Politik appelliert zur Impfung.
© Böhm

Innsbruck, Wien – Am Freitag der Vorwoche hat die Bundesregierung ihren Corona-Stufenplan erweitert. Sobald 500 Intensiv-Betten mit Corona-Patienten belegt sind, dürfen viele Bereiche wie die Gastronomie nur noch geimpft oder genesen (2-G-Regel) betreten werden. Ab 600 belegten Betten kommt es zu Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte, gab die Regierung nach einer Sitzung mit den Landeshauptleuten bekannt. Die Corona-Tests bleiben vorerst gratis.

Intensivmediziner wie der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin, Walter Hasibeder, hätten sich ein noch strikteres Vorgehen der Politik gewünscht. Mit seiner jüngsten Einschätzung stützt das Covid-Prognosekonsortium der Bundesregierung seine Kritik. Denn das Infektionsgeschehen hat sich in den vergangenen Tagen deutlich beschleunigt. Deshalb wird erwartet, dass in zwei Wochen zwischen 300 und 435 stationär aufgenommene Covid-19-Patientinnen und -Patienten intensivmedizinisch betreut werden müssen. Diese Entwicklung könnte dann in einzelnen Bundesländern dazu führen, dass der Covid-19-Belag auf Intensivstationen am Donnerstag in zwei Wochen die kritische Auslastungsgrenze von 33 Prozent übersteigt.

Verschärfte Maßnahmen in Oberösterreich und Steiermark

Oberösterreich und die Steiermark wollen sich jetzt wie Wien mit verschärften Maßnahmen gegen die steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen stemmen. Vor allem die oberösterreichische Regierung sieht massiven Handlungsbedarf, die Steiermark agiert vorbeugend. In Tirol setzt die Landesregierung derzeit auf Eigenverantwortung.

„Aktuell verzeichnen wir in Tirol ein dynamisches Infektionsgeschehen. Auch wenn die Lage auf den heimischen Intensivstationen derzeit stabil ist, gehen alle Prognosen von einer signifikanten Zunahme der Intensivbettenbelegung aus. Deshalb appelliere ich einmal mehr an die Eigenverantwortung der Tiroler Bevölkerung“, erklärt Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP) gegenüber der TT. Denn es sei die gemeinsame Aufgabe, eine Überlastung des Gesundheitssystems und daraus resultierende restriktive Maßnahmen und Einschränkungen früh genug zu verhindern. Der Blick richtet sich schon auf das kommende Allerheiligen-Wochenende.

📊 Corona-Ampel für Österreich

Zu Allerheiligen und Allerseelen, so Leja, würde sich meist die ganze Familie zum gemeinschaftlichen Besuch der Friedhöfe und Gräber treffen. „Primär geht es nicht um die religiösen Veranstaltungen, die großteils im Freien stattfinden, sondern um die anschließenden Zusammenkünfte im privaten Bereich. Gerade hier ist besondere Vorsicht geboten. Daher sollte auch dort die 3-G-Regel – geimpft, genesen oder getestet – beachtet und eingehalten werden.“ Aber auch Sicherheits- und Hygienemaßnahmen wie die Einhaltung eines Mindestabstands sowie das Tragen einer FFP2-Maske reduzierten das Risiko, sich anzustecken und zu erkranken.

📊 7-Tage-Inzidenz nach Bundesländern

61 Prozent sind geimpft

Der wichtigste Baustein in der Pandemiebekämpfung bleibt für Leja aber die Impfung. Ihre Botschaft ist ganz klar: „Alle Menschen, die es noch nicht getan haben – lassen Sie sich impfen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen und die Wissenschaft bestätigt, wie wichtig der dritte Stich ist. Bitte behalten Sie den Impfstatus im Auge und holen Sie sich zeitgerecht den dritten Stich.“

📊 Geimpfte Personen in Österreich

490.100 Personen (64,5 Prozent der Tiroler bzw. 73 Prozent der impfbaren Bevölkerung) haben zumindest eine erste Teilschutzimpfung erhalten, 440.700 Personen (60,6 Prozent bzw. 65,7 Prozent der impfbaren Bevölkerung) sind bereits voll immunisiert. Zudem wurden rund 34.300 Drittimpfungen bisher verabreicht. (pn)

Die Corona-Lage in Österreich

Ausreisebeschränkungen: In drei Bundesländern gibt es wegen zu vieler Corona-Fälle derzeit Ausreisekontrollen: In Niederösterreich darf man die Bezirke Melk und Scheibbs nur noch mit gültigem 3-G-Nachweis verlassen. Gleiches gilt in Oberösterreich für den Bezirk Braunau am Inn. In Salzburg muss man bei der Ausreise aus den Gemeinden St. Koloman, Annaberg-Lungötz und Adnet dagegen einen 2,5-G-Nachweis vorweisen. Für die Ausreise gelten dort also neben Impfung und Genesung nur noch PCR-Tests.

Weitere regionale Maßnahmen: Drei Bundesländer haben die österreichweiten Maßnahmen bereits individuell verschärft. In Wien darf man Großveranstaltungen und die Nachtgastronomie nur noch geimpft oder genesen besuchen (2-G-Regel). Zusätzlich gelten für Getestete vielerorts nur noch PCR-Tests und es herrscht eine allgemeine FFP2-Maskenpflicht für Handel und Kultureinrichtungen. In Oberösterreich gilt ab morgen ebenfalls eine FFP2-Maskenpflicht für Handel und Kultureinrichtungen, jedoch ohne verschärfte 3-G-Regel. Ab 8. November bessert auch die Steiermark nach: Dann gilt für Nachtgastronomie und Großveranstaltungen die 2-G-Regel, sowie eine FFP2-Maskenpflicht für Handel, Religions- und Kultureinrichtungen.


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