Gestiegene Kaufkraft halbierte Treibstoffpreise seit 1980

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Wien – Auch wenn die Anzeige an der Tankstelle derzeit anderes vermuten lässt: Tanken war in Österreich in der Vergangenheit teils empfindlich teurer als aktuell. Grund dafür ist die über die Jahre gestiegene Kaufkraft. So musste laut einer Wifo-Statistik ein Industriearbeiter 1980 für einen Liter Benzin im Schnitt 7,6 Minuten arbeiten, 2010 waren es 5,2 Minuten, 2019 4,2 Minuten und im Coronajahr 2020, als die Ölpreis weltweit einbrachen, sogar nur 3,4 Minuten.

Auch bei Diesel ist die Entwicklung ähnlich. Für einen Liter Diesel musste 1990 4,4 Minuten gearbeitet werden, 2015 waren es 4,3. In den letzten Jahren haben sich die Preise für Diesel und Benzin einander angenähert, 2019 musste für Diesel 4,1 Minuten gearbeitet werden und 2020 3,4 Minuten, gleich lange wie für Benzin.

Nicht nur Treibstoffe, auch viele Lebensmittel sind in den vergangenen 40 Jahren deutlich günstiger geworden. Für ein Kilo Schweinefleisch musste 1980 noch fast eineinhalb Stunden gearbeitet werden, heute sind es rund 38 Minuten. Für ein halbes Kilo Bohnenkaffee sank die Arbeitszeit im selben Zeitraum wiederum von 38 Minuten auf 18 Minuten. Für Mehl und Milch halbierte sich die Arbeitszeit von 8 auf unter 4 Minuten. Ein Kilo Brot kostete kaufkraftbereinigt vor 40 Jahren ähnlich viel wie heutzutage, ebenso ein Semmel.

Für eine Bohrmaschine musste ein Industriearbeiter 1980 fast 29 Stunden arbeiten, 1990 weniger als 18 Stunden und 2010 waren es 10 Stunden. Vergangenes Jahr sank die Arbeitszeit für eine Bohrmaschine auf 7 Stunden und 23 Minuten. Für eine Waschmaschine reduzierte sich aufzuwendende Arbeitszeit ebenfalls drastisch: Von über 121 Stunden auf nunmehr 32,5 Stunden.

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Gleichzeitig ist alles, was mit viel Arbeitszeit verbunden ist, teurer geworden, also etwa Reparaturen. Um sich eine Stunde Arbeitszeit eines Kfz-Mechanikers leisten zu können, mussten Industriebeschäftigte 1980 4 Stunden und 39 Minuten arbeiten, 2020 waren es 7 Stunden und 13 Minuten.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) erhebt seit vielen Jahren die Kaufkraft in Österreich. Basis für die Berechnungen sind einerseits die von der Statistik Austria im Zuge der Inflationsberechnung erhobenen Preis für bestimmte Produkte und andererseits die durchschnittlichen Nettoverdienste in der Industrie.

Allerdings ist der durchschnittliche Nettostundenlohn in der Industrie nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, weil er höher ist als in anderen Branchen. Dazu kommt, dass sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen 30 Jahren stark verändert hat, in der Industrie aber nicht. "Die strukturellen Veränderungen in der Beschäftigung spiegeln sich in der Industrie kaum wieder. In der Industrie sind Vollzeitjobs, die von Männern mit Facharbeiterausbildung gemacht werden die häufigste Typologie", erklärte Wifo-Ökonom Josef Baumgartner. (APA)


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