Haller Vektor: Musengeküsst von der Essenz zur Quintessenz

Das Künstlerkollektiv „Experimental Setup“ lädt ein, sich im Haller Vektor zu Füßen der zehnten Muse niederzulassen.

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„Quintessenz“ von „Experimental Setup“ in der Laterne des Haller Münzerturms.
© Daniel Jarosch

Von Edith Schlocker

Hall – Die Aktionen bzw. Interventionen des Kollektivs „Experimental Setup“, zu dem sich Kata Hinterlechner und Bosko Gastager vor drei Jahren kurzgeschlossen haben, sind immer ein Fest. Das zu einem ganz speziellen wird, wenn sich die zwei von der zehnten Muse haben küssen lassen. Nämlich von der für die bildenden Künste zuständigen, die es in der griechischen Mythologie zwar gar nicht gibt, deren Kuss sie allerdings mit einer Idee beschenkt habe, die sich in einem rauschhaften Tun zu einem Flächenbrand ausgeweitet habe, so Gastager.

Schauplatz dieses Geschehens ist die Galerie im Vektor der Haller Burg Hasegg, die auch den Münzerturm zum Tatort macht. Was ganz im Sinn der zwei Absolventen der Wiener Angewandten ist, indem sie im ersten galeristischen Raum die „Essenz“ und ganz oben im Turm die „Quintessenz“ ihres Tuns zelebrieren. Eintauchend in die Aura dieser hoch oben am Parnassos logierenden Muse Nr. 10, die laut ihrer Erzeuger die Aura von Glamour, Glanz und Glorie verströmt.

Die Art und Weise, wie „Experimental Setup“ diese mythische Welt möbliert, ist eine reizvoll rätselhafte, streckenweise opulent theatralisch inszenierte, bestückt mit allerlei gefundenen oder gemachten, hintergründig bis ironisch besetzten, zwischen Kunst und Design changierenden Objekten, die durchaus zur Bestückung moderner Wunderkammern taugen würden. Etwa in dem zum Tempel für die Muse verwandelten Raum 2, in dem sich schräge Outfits für sie finden, genauso wie ein gusseiserner „Nabel der Welt“ oder ein „Pegasus“, der auf einen in ein Glasgefäß gesteckten Pferdeschwanz reduziert ist. Konterkariert durch Bilder, die mit bunten Gurtbändern „gemalt“ sind.

Die Turmnischen sind mit unterschiedlichsten Requisiten für die Muse und ihre Kinder bestückt, während im Wurfgeschoß mit viel Poesie eine von Mythen umwobene, am Gardasee spielende Liebesgeschichte erzählt wird. Eine Etage höher landet der Ausstellungsbesucher dort, wo die Landkarten enden, die Gefilde des reinen Staunens beginnen. In der Mansarde darüber kommt Noahs Arche als zum blauen Klumpen gewordenes Meer daher, während ganz oben im Turm scharf der Wind bläst. Um vier Trainingsanzüge zu beatmen, sie sozusagen als Quintessenz allen Bemühens mit einer zündenden Idee zu erfüllen.

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