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Kulinarische Vielfalt in Innsbruck: Mit Reis aus China um die Ecke zum Somalier

Ob Datteln aus dem Iran, afghanische Maulbeeren oder Olivenöl aus Sardinien. Dies und noch viele andere typische Produkte von der ganzen Welt findet man in Innsbruck. Die TT hat sieben Läden besucht, die sich auf Lebensmittel bestimmter Länder spezialisiert haben.

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Von Manuel Lutz und Rosa Karbon

🌍 Süßes aus Amerika

Die Regale sind beinahe leer, fast im Minutentakt öffnet sich die Türe und neue Kunden strömen herein – zumeist sind es Schüler. „Übermorgen kommt die neue Lieferung“, verspricht ­Daniel Raspagliesi zwei Buben.

Zusammen mit Patrick Foltermeier hat er vor ein paar Wochen das Candy Kingz in der Ursulinenpassage eröffnet. Im Sortiment haben die beiden Tiroler spezielle amerikanische Süßigkeiten und Softdrinks, die man hierzulande sonst nicht findet. „Wir sind beide selbst große Fans davon. Da wir immer 200 Kilometer fahren mussten, um einzukaufen und über das Internet alles sehr teuer ist, kam die Idee, einen Laden aufzumachen“, so Raspagliesi.

Damit haben sie einen wahren Hype ausgelöst. Alleine von einem Käse-Mais-Snack, der an eine Chipspackung erinnert, gingen an einem Tag 200 Sackerln über die Theke. „Die Jugendlichen sehen über soziale Medien wie TikTok, dass ihre Vorbilder die Süßigkeiten konsumieren, und wollen diese Produkte. Es kommen aber auch ältere Kunden“, betont Raspagliesi. Von den verschiedensten Fanta-Sorten bis zur Zurckerwatte aus der Packung gibt es fast alles. „Das Sortiment ändert sich aber wöchentlich“, so Raspagliesi.

Daniel Raspagliesi versorgt in der Ursulinenpassage seine Kunden mit Süßigkeiten. Neben exotischen Cola- und Fanta-Sorten hat der Laden auch Cornflakes jeder Art (r.).
© Rita Falk

🌍 Afrikanische Lebensmittel auf Bestellung

Haben Sie schon mal Melonensamen gekauft und Fleisch damit gewürzt? Vermutlich nicht. Im Afro Caribbean Markt im Mariahilfpark 4 sind diese so genannten Egusi jedoch jenes Produkt, welches wohl am öftesten vor Vivien Syn auf der Theke liegt.

Die gebürtige Nigerianerin ist seit mittlerweile 21 Jahren in Österreich, vor vier Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Mann das kleine Geschäft eröffnet. Die Idee dazu sei aus einem ganz einfachen Grund entstanden: „Es hat noch keinen afrikanischen Laden gegeben“, erklärt sie. So wie Syn selbst hätten auch andere Menschen Produkte aus ihren Heimatländern gesucht, in herkömmlichen Lebensmittelläden allerdings nicht gefunden. „Wenn jemand ein bestimmtes Produkt haben möchte, bestelle ich das für ihn. Das ist kein Problem.“ Das gilt sowohl für Haar- und Körperpflegeprodukte als auch Nahrungsmittel.

Zu entdecken gibt es daher einiges. Verschiedenste Produkte aus der Palmnuss stehen in Konservendosen verpackt neben Garden Eggs. Letztere sind eine Auberginenart, die wegen des süß-bitteren Geschmacks oft für Eintöpfe verwendet wird. Ein österreichisches Produkt hat sich dennoch zu den vielen afrikanischen und karibischen geschlichen: Bier.

Vivien Syn verkauft das, was ihre Kunden wünschen. Melonensamen (links unten) und Palmnuss-Produkte (links oben) gehören in jeden Einkaufskorb.
© Rita Falk

🌍 Afghanistan im Topf

Zehn Jahre lang lebte Sarwari Hassib in Graz, bevor er 2017 nach Tirol kam. Erst vor zwei Monaten hat er den Kabul Market in der Amraser Straße 48 übernommen. „Ich möchte das Sortiment noch etwas vergrößern und einen weiteren Raum dazunehmen“, erklärt der 31-Jährige.

Sein Ziel, die afghanische Küche auch in Innsbruck zu beheimaten, hat er dabei immer vor Augen. Zu finden sind bei ihm daher Spezialitäten aus seiner Heimat Afghanistan. So etwa die Früchte des Oleasters, einem wild wachsenden Ölbaum. Sie werden so wie auch die getrockneten Maulbeeren direkt aus seinem Heimatland importiert. „Viele kaufen diese beiden Produkte, um sie ähnlich wie Chips zu naschen“, erklärt Hassib die süßlichen Delikatessen.

Sein persönliches Lieblingsprodukt ist aber ein anderes. „Ich koche gerne mit Safran. In Afghanistan bauen den viele Bauern mittlerweile statt Opium an.“

Safran für Reis und Tee ist wohl das teuerste Produkt aus Sarwari Hassibs Sortiment. Getrocknete Maulbeeren und wilde Oliven bestellt er direkt aus seiner Heimat Afghanistan.
© Rita Falk

🌍 Der Geschmack aus dem Iran

Seit zehn Jahren lebt Reza Dehghanian bereits in Innsbruck. Während er z. B. Lebensmittelgeschäfte aus Afghanistan in Tirol fand, blieb er bei der Suche nach einem Laden mit iranischen Produkten erfolglos. „Wenn man etwas Spezielles gesucht hat, musste man immer nach München oder Wien fahren. In Tirol leben auch einige Menschen aus dem Iran“, erzählt Dehghanian.

Daher entschloss er sich 2018, den Geschmack seiner Heimat hierherzubringen und eröffnete in der Colingasse 9 den Iran Markt. Vor allem Pistazien, Datteln und der Reis sind bei den Tirolern beliebt. „Wenn ich mal keinen Reis mehr habe, sind meine Kunden nicht erfreut. Auch die Nüsse sind schnell verkauft“, so Dehghanian.

Um immer die beste Qualität zu haben, achtet der Iraner darauf, nur von Firmen zu kaufen, die er selbst kennt. „Stimmt die Qualität nicht, kauft keiner ein“, ist für ihn klar. Durch die Pandemie hat Dehghanian einige Probleme. „Während des Lockdowns kamen nur wenige Kunden. Auch mit den Lieferungen gibt es immer noch Schwierigkeiten.“ Er hofft endlich auf eine Besserung.

Reza Dehghanian hat seit 2018 den Iran Markt in der Colingasse. Typische Saucen, Gewürze und Getränke findet man in seinen Regalen. Vor allem die verschiedenen Nüsse (rechts unten) sind bei den Tirolern beliebt.
© Rita Falk

🌍 Das Olivenöl aus Sardinien änderte alles

Eine Dienstreise führte Michael Carli vor 20 Jahren nach Sardinien. Dort besuchte der Innsbrucker eine alte Ölmühle und nahm an einer Verkostung teil. „Dann war es geschehen. So ein gutes Olivenöl hatte ich zuvor noch nie gehabt“, erinnert sich Carli.

Mit einem Kanister voll mit Olivenöl ging es zurück nach Tirol. Da die Nachfrage danach enorm war, startete Carli 2009 zusammen mit Bruder Thomas ein Online-Geschäft. Neben dem Öl kamen immer mehr sardische Produkte hinzu. „Als wir ein größeres Lager anmieten mussten, haben wir zugleich unser erstes Geschäft eröffnet“, so Thomas Carli.

Nach sechs Jahren übersiedelte der Laden 2019 von Pradl in die Ursulinenpassage, seither haben die beiden ihr Hobby zum Beruf gemacht. Obwohl viele Tiroler dort einkaufen, sei es schwierig. „Das Online-Geschäft ist wichtig.“

Michael (l.) und Thomas Carli bringen den Geschmack aus Sardinien nach Tirol. Vor allem den Wein schätzen die Kunden. Exotischer ist hingegen Bottarga – die getrockneten Eier der Meeräsche (unten links).
© Rita Falk

🌍 China am Bahnhof

Über tausend Produkte und damit ein vielfältiges Sortiment hat Zheng Jianyong gemeinsam mit seiner Frau im Asia Food Market am Südtiroler Platz 5, im Gebäude des Innsbrucker Hauptbahnhofes.

Reihenweise Sojasoßen, Instant-Nudeln in acht verschiedenen Geschmacksrichtungen und Reis in unterschiedlichsten Sorten und Füllmengen finden sich im Laden. Seit 2009 sind hier auch Zitronengras, getrockneter Seetang und Mirin, einen japanischen Reiswein, erhältlich. Kochbananen liegen in Kartonagen neben Tapioca, Taro und Yam. „Das sind für die asiatische Küche typische Wurzelgemüse“, sagt er. Erklärung braucht es auch bei einigen weiteren seiner Produkte.

Laufend kommen und gehen Kunden, so gut wie jeder findet hier auch das, was er sucht. Der aus China stammende Jianyong begrüßt daher im Laden keinesfalls nur asiatische, sondern auch unzählige Tiroler Kunden.

Instant-Nudeln und asiatische Gemüsesorten verkauft Zheng Jianyong im Asia-Laden am Bahnhof in Innsbruck.
© Rita Falk

🌍 Gutes vom Somalier

Beim Eintreten in den Salama Shop in der Sterzingerstraße 8 herrscht wildes Treiben. Nicht nur viele Kunden tummeln sich im Laden von Yuusuf Abdulqaadir Muhamed, auch die Regale sind vom Boden bis zur Decke bunt gefüllt.

Der 36-Jährige stammt ursprünglich aus Somalia und vertreibt hier seit 2019 afrikanische und asiatische Lebensmittel. „Viele kaufen bei mir Getränke mit Guave- oder Mangogeschmack, aber auch Gewürzmischungen zum Kochen von Suppen, Reis und Fleisch“, sagt er.

Großpackungen sind bei ihm fix im Sortiment – „immerhin habe ich zuhause selbst sechs hungrige Kinder zu sättigen“. Frisches Gemüse und Obst ist im Salama Shop allerdings eher Mangelware. Lediglich ein paar Okraschoten, Chilis und Süßkartoffeln finden sich am Eingang des Ladens. Doch das Geschäft läuft – was am großen Andrang zu sehen ist.

Alles, und davon viel, ist wohl das Motto von Yuusuf Abdulqaadir Muhamed. In seinem Sortiment findet sich u. a. weißer Mais.
© Rita Falk

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