Betrugsprozess: „KitzVenture-System war wie ein Pyramidenspiel“

Im gestrigen Anlagebetrugsprozess um 9,75 Prozent Zinsen sah sich die KitzVenture-Führung vornehmlich als Opfer. Ihr Treuhänder ging frei.

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KitzVenture-Geschäftsführer Patrick Landrock (r.) vor dem Prozess. Im Hintergrund einer seiner vier am Gericht anwesenden Leibwächter.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Kitzbühel – „KitzVenture ist mein Baby! Es ist eine florierende Gesellschaft. Ich wollte über sie niemals jemanden betrügen“, beschwor gestern am Landesgericht KitzVenture-Geschäftsführer Patrick Landrock. Er, sein Vorgänger und der einstige Treuhänder der Gesellschaft waren vor einem Schöffensenat wegen gewerbsmäßig schweren Betruges angeklagt. Alle drei beteuerten ihre Unschuld. Der Anklagevorwurf stammt noch aus einer Zeit, als KitzVenture im TV zur abendlichen Bestzeit mit einem Kleinanlegermodell mitsamt 9,75 Prozent Zinsen warb.

Nach Ermittlungen der Finanzmarktaufsicht und Streitigkeiten mit dem VKI wurde auch die Staatsanwaltschaft tätig. Vorwurf: Über Bonität und Veranlagungen bei Unternehmen war getäuscht, das Totalverlustrisiko aber verschwiegen worden. Staatsanwalt Hannes Wandl: „Bei den Ermittlungen zum System drängte sich schnell der Verdacht auf, dass hier schlicht und einfach ein Pyramidenspiel aufgebaut werden sollte.“ 79 Anleger seien der Werbung mit einem Schaden von 176.650 Euro auf den Leim gegangen. Dazu wären bei Medienunternehmen bislang noch 658.857 Euro und bei Wiener Anwälten 141.452 Euro offen. Der Zweitangeklagte sei die dahinterstehende Persönlichkeit.

📽️ Video | Prozess um „kitzVenture":

Dies bestritt Landrock vehement und deklarierte sich selbst als Opfer. Schließlich habe man alles nur Erdenkliche getan, um das Anlagemodell auf rechtlich korrekte Beine zu bringen. Trotz der Beauftragung renommiertester Anwalts- und Steuerberaterkanzleien sei der Finanzmarktprospekt jedoch letztlich fehlerhaft und nicht markttauglich gewesen: „Wir sind keine Juristen. Dafür stelle ich für ein irres Geld solche Leute an. Die sollten eigentlich hier auf der Anklagebank sitzen!“ Ohne näher auf die Veranlagungen einzugehen, betonte der KitzVenture-Chef dazu, dass alle 79 Anleger „mitsamt Zinseszinsen“ entschädigt worden sind, sohin gebe es keinerlei Schaden. Der Zinssatz knapp unter zehn Prozent sei im Anlagemarkt indes absolut nichts Ungewöhnliches. So würden es derlei Finanzprodukte auf acht Prozent Zinsen und mehr bringen. Auch mit vielen Medien habe man sich schon verglichen – wobei man hierbei laut Landrock selbst zum Opfer einer mysteriösen Alias-Figur geworden sei. Diese habe als „Alexander Goldberg“ nämlich all diese Werbeschaltungen in Auftrag gegeben – wohl um KitzVenture zu schaden.

Daran hegte Richter Andreas Mair Zweifel – sah er in der Werbung für das Produkt doch nur einen Nutznießer – KitzVenture. Allein bei einem Wiener Boulevardmedium will Landrock selbst den Auftrag erteilt haben. Im Jahr 2017 war es um die Kitz-GmbH übrigens finanziell nicht gerade gut gestanden. Eine Wiener Anwaltskanzlei hoffte für das Hereinbringen ihrer Forderungen deshalb auf eine Kapitalerhöhung und sah sich nach Scheitern derselben durch den als Kitz-Treuhänder agierenden Anwalt getäuscht. Anwalt zeigte darauf Anwalt an. Dieser wurde jedoch aufgrund Fehlens jeglicher Beweise noch gestern rechtskräftig freigesprochen. Verteidiger Alexander Swancar: „Beim Mandanten ging es um die Zulassung, beim Kollegen nur ums Geld!“

Der Prozess setzt sich am 15. November fort.


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