„potenziale 3“: 47 Architektur-Projekte in sieben Laboren

Die „potenziale 3“ gibt einen Einblick in aktuelle PhD-Arbeiten der heimischen Architekturfakultät. Zu sehen im Innsbrucker aut.

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Einblicke ins „bio lab: living space“: Acht Projekte stellen dort die Umwelt und nicht mehr den Menschen ins Zentrum der Architektur.
© G. R. Wett

Innsbruck – Auf Robotik, 3-Druck, Augmented Reality, Algen, Pilze und den Wald trifft man in dieser Ausstellung. Dass es sich dabei um eine der Architektur handelt, ist dennoch überraschend. Dabei dürfte mit inzwischen 16 Jahren Architekturfakultät in Innsbruck und bald 30 Jahren Vereinsarbeit des aut. klar sein, dass sich Architektur nicht nur in konkretem Bauen manifestiert. Besonders die Forschung hat längst die Grenzen zu anderen Disziplinen überschritten. Welche Fragestellungen junge ArchitekturwissenschafterInnen in Innsbruck gerade erarbeiten, bekommt man aktuell in „potenziale 3“, im aut. zu sehen. 47 Doktoratsstudierende und AbsolventInnen stellen dort ihre Abschlussarbeiten aus.

Es ist die dritte Leistungsschau dieser Art, die sich inzwischen von den Fakultäten und deren prägenden Köpfen weg und hin zu diskursiven Räumen bewegt hat. So sind die einzelnen Projekte Teil von sieben Laboren, die sich über vier Geschoße des Adambräus ausbreiten wie eine Landschaft. Und jede Themen-Insel kümmert sich um die Gestaltung des eigenen Raums.

Der Rundgang startet in einem schroffen Anstieg: Das „intervention lab“ von Eleni Boutsika Palles, Xotil Natke, Walter Prenner und Verena Rauch beschäftigt sich nicht nur theoretisch mit der Gestaltung des öffentlichen Raumes, sondern setzt auch eine seiner Stadtraumskulpturen mitten rein: Ein begehbares, abschüssiges Gelände wird Platz für steile Thesen und tiefgehende Diskussionen, die in den nächsten Wochen (zunächst immer mittwochs) dort stattfinden werden.

Auch andernorts lassen sich die zu erforschenden Themen mitten in der Gesellschaft verorten: Oswald Jenewein, Teil des „urban-landscape lab“, beschäftigt sich z. B. mit Architektur und Stadtplanung in Zeiten der Klimakrise. Über die Koexistenz mit der Umwelt denken hingegen die Projekte im „bio lab“ laut nach: Lino Lanzmaier etwa vermaß eine Baumgruppe im Park von Schloss Ambras und beschreibt den Wald als architektonischen Raum – stets auf der Suche nach Interaktionsmöglichkeiten. Und nebenan wachsen Pilzen und Algen heran.

Man kann es erahnen, „potenziale 3“ ist in seiner Inhaltsfülle nur schwer fassbar. Erfasst werden können einzelne Aspekte – Grund genug also, um öfter wiederzukehren. Denn um Zugänglichkeit ist man bemüht: In Videos erklären sich die 47 Beteiligten selbst. Essayistische, assoziative Ansätze oder Mitmach-Stationen (funktioniert bestens in den digitalen Laboren) erwecken Neugier. Am Ende trifft man sich dann ganz oben im „cocoanut grove“. An der dem legendären Bostoner Nachtclub nachempfundenen Theke lässt es sich wunderbar über die Theorieprojekte diskutieren, die nebenan Platz genommen haben. (bunt)


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