freenet-Chef Vilanek: „Mut kann nicht digitalisiert werden“

Christoph Vilanek leitet die freenet AG, seine Management-Qualitäten hat er beim Fußballspielen im Pechepark in Innsbruck erworben.

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Christoph Vilanek kritisiert die Digitalisierung, aufzuhalten sei sie aber nicht.
© Böhm

Innsbruck – „Die digitale Entwicklung lässt sich nicht aufhalten“, sagt der Vorstandsvorsitzende der freenet AG, Chistoph Vilanek. So richtig zufrieden mit der Performance der Digitalisierung ist der 53-jährige Tiroler nicht, obwohl er ein Telekommunikationsunternehmen leitet. Eigentlich sollte Digitalisierung „Beschwerlichkeiten aufheben“, im Alltag funktioniere das aber nicht so gut, findet Vilanek. „Ich habe jetzt etwa ein E-Auto“, sagt er: „Der Service heißt jetzt Update, dauert drei Tage und dann sagt mir der Mechaniker, dass er nicht weiß, ob das Update auch tatsächlich funktioniert hat.“ Auch seine Smart-Home-App funktioniere nicht. Allerdings nur deshalb, weil die Techniker, die Haus, Jalousien und Kühlschrank mit der App synchronisiert haben, es nicht mehr schaffen, sich aus der App abzumelden. „Ich persönlich finde Kippschalter viel angenehmer, als den Code einer App einzugeben, um das Licht einzuschalten.

Vilanek ist in Innsbruck aufgewachsen, im Stadtteil Wilten wurde er sozialisiert, im „Pechepark habe ich mir jeden Nachmittag Kinder zum Fußballspielen organisiert“, erzählt er. Dort habe er das Rüstzeug für seinen Managementaufgaben bekommen. „Ich musste in meiner Kindheit drei Welten voneinander fernhalten: die Fußball-Burschen, meine Familie und die Schule.“ Das habe ihn zum Kommunikator gemacht, er wisse einzuschätzen, wer sein Freund und wer sein Feind sei.

Die Digitialisierung nennt er als einen Grund, warum sehr viele Menschen Empathie nicht mehr kennen würden. Etwa Trainees in seinem Unternehmen. Diese seien zwar eifrig und wissbegierig, wollten jedoch letztendlich keine Verantwortung übernehmen. „Persönliche Verantwortung zu übernehmen, braucht Mut und führt zu Freiheit und Glück“, sagt er. Und genau diese Eigenschaften „können nicht digitalisiert werden“. Für ihn ist „Verantwortung das Gegenteil des derzeitigen Zeitgeistes“. Netflix suche Filme für den Abend aus, Spotify die Musik für den Tag. Vilanek ortet eine „Schuldgesellschaft“, die für alles Verantwortliche suche und sich im „Wir“ verstecke. Er fordert für Kinder „mehr Straßenspiele“, denn: „Früher war alles besser.“ (TT)


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