Radon in Gebäuden – ein wenig bekanntes Gesundheitsrisiko

Radon gilt nach dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs beim Menschen. Bei schlechter Abdichtung von Fundamenten kann sich das Gas in Gebäuden ansammeln. Laut AGES herrscht in Österreich kaum Bewusstsein für das Risiko.

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Radon ist laut WHO die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.
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Der Wissensstand in der österreichischen Bevölkerung hinsichtlich Radon und das damit verbundene Gesundheitsrisiko ist gering. Nur fünf Prozent fühlen sich gut über das radioaktive Gas informiert, rund 82 Prozent geben an, nichts oder nur wenig darüber zu wissen. Das geht aus dem Risikobarometer 2021 der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hervor.

Knapp der Hälfte (47 Prozent) der Teilnehmer einer Online-Befragung ist unklar, ob eine Radonexposition in Gebäuden ein signifikantes Gesundheitsrisiko für sie darstellt. Rund ein Drittel (32 Prozent) geht von keinem Risiko aus, ein Fünftel (19 Prozent) ist gegenteiliger Ansicht. Tatsächlich gilt Radon laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs beim Menschen. Bei schlechter Abdichtung von Hausfundamenten dringt es in Gebäude ein und konzentriert sich in der Raumluft.

Radon

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das man weder sehen, riechen noch schmecken kann. Es entsteht beim radioaktiven Zerfall von Uran. Uran kommt zum Beispiel im Erdboden oder in Baumaterialien vor.

Radon wird vor allem im Boden freigesetzt. Es kann etwa durch Undichtheiten im Fundament in Gebäude gelangen und sich dort ansammeln. Radon ist nach dem Rauchen die häufigste Ursache für Lungenkrebs. Hohe Radonkonzentrationen in Gebäuden lassen sich aber durch einfache bauliche Maßnahmen vermeiden.

Um hier gegenzusteuern habe das Bundesministerium für Klimaschutz im November 2020 eine eigene Radonschutzverordnung erlassen, durch die in Verbindung mit dem neuen Strahlenschutzgesetz die Bevölkerung vor dem natürlich vorkommenden Edelgas geschützt werden soll, so Wolfgang Ringer, Leiter der Abteilung Radon und Radioökologie bei der AGES und der Österreichischen Fachstelle für Radon, im Gespräch mit der APA. Seither müssen an Arbeitsplätzen im Erd- oder Kellergeschoß Messungen durchgeführt werden, wenn sie sich in Radonschutzgebieten befinden. Das betrifft sowohl Büroarbeitsplätze, Handel und Gewerbe, als auch Schulen oder Gemeindeämter. Spezielle Arbeitsplätze, etwa in Wasserwerken, Schauhöhlen oder Radonkuranstalten, müssen schon seit längerem überprüft werden.

Als Radonschutzgebiete gelten Regionen mit einem erhöhten Risiko. Der Referenzwert für die Radonkonzentration liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) im Jahresdurchschnitt. Wird dieser Wert überschritten, ist man verpflichtet (Sanierungs-)Maßnahmen zu setzen, um die Konzentration zu senken. 104 der insgesamt 2.095 heimischen Gemeinden befinden sich in Radonschutzgebieten. Rund 1.780 Gemeinden (85 Prozent) liegen in einem Radonvorsorgegebiet, wobei hier bei Neubauten vorbeugende Schutzmaßnahmen vorgeschrieben sind.

Im Zuge der neuen Radonschutzverordnung wurde auch die österreichische Radonkarte verbessert. Sie gibt Auskunft darüber, wo in Österreich mit erhöhten Radonkonzentrationen in Gebäuden gerechnet werden muss. Grundlage für die Karte sind laut AGES rund 50.000 Messungen. "Gemeinsam mit den Gebäudecharakteristika, die wir erhoben haben, und dem Nutzungsverhalten der Bewohner war das die Basis", erklärte Ringer anlässlich des Europäischen Radontags am 7. November. Inkludiert sind auch die Daten von kostenlosen Tests, die die Bürger selbst durchgeführt haben. Diese Möglichkeit wurde österreichweit von etwa 2.000 Haushalten pro Jahr genutzt.

Die mittlere Dosis der Strahlung, der man in Österreich ausgesetzt sei, liege bei 4,5 Millisievert (mSv) pro Jahr. "Etwa ein Drittel wird durch die Inhalation von Radon verursacht, jeweils ein Drittel durch die natürliche Gammastrahlung und die sogenannte zivilisatorisch bedingte Strahlenexposition – vorwiegend medizinische Anwendungen wie zum Beispiel Röntgen", so der Fachmann. Was das Lungenkrebsrisiko betreffe, sei Rauchen für rund 85 Prozent der Erkrankungen verantwortlich, die Inhalation von Radon hierzulande für zehn Prozent. Etwa 400 Lungenkrebstote werden diesem radioaktiven Edelgas in Österreich jährlich zugeordnet.

Schätzungsweise 300.000 Personen leben in Österreich in Haushalten mit einem Radonwert über dem Referenzwert. "Nur eine Messung gibt Gewissheit über die Radonkonzentration in einem Gebäude", betonte Ringer. Bei erhöhten Werten gibt es erprobte Maßnahmen, um die Radonkonzentration zu senken. Denn "Radon ist nur dann ein Problem, wenn man es ignoriert", erklärte der Experte.


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