Nach Warnstreiks neuer Anlauf für Metaller-KV-Abschluss

„Mit gutem Willen" sei bei der fünften Verhandlungsrunde am Samstag ein fairer Abschluss möglich, erklärte ein Arbeitgebervertreter. Doch die Vorstellungen über das Lohn- und Gehaltsplus lagen zuletzt meilenweit auseinander.

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Arbeitgeber-Obmann Christian Knill (l.) und PRO-GE Chefverhandler Rainer Wimmer beim Start der Verhandlungen Ende September. Noch immer ist keine Einigung in Sicht.
© APA/Pfarrhofer

Wien – Nach dreitägigen Warnstreiks in der Metallindustrie geht es am morgigen Samstag in die fünfte Verhandlungsrunde zum Kollektivvertrag (KV) 2022 für die Metalltechnische Industrie. Ort des Feilschens ist diesmal nicht – wie üblich – die Wirtschaftskammer in Wien, sondern ein Gasthof in Eugendorf im Bundesland Salzburg. Start ist um 13 Uhr. Die Arbeitnehmer propagierten heute die Wiederaufnahme der Verhandlungen als ihrerseits erzielten Etappensieg.

Die Arbeitgeber unter Obmann Christian Knill wiederum meinten, mit „mit gutem Willen" sei morgen „ein fairer Abschluss" möglich. Wobei sich die Sozialpartner schon etwas angenähert haben. Zu Beginn der Gespräche Ende September forderten die Arbeitnehmer ein Plus von 4,5 Prozent auf Löhne und Gehälter sowie eine deutliche Anhebung bei den Lehrlingsentschädigungen und den Schichtzulagen, die Arbeitgeber boten 2,2 Prozent. Nunmehr liegt das Angebot von 2,75 Prozent Erhöhung der KV- und IST-Löhne und Gehälter sowie ein Plus bei Lehrlingsentgelten und Schichtzulagen am Tisch, unterm Strich würden die Mitarbeiter damit 3,2 Prozent mehr am Konto haben, so die Arbeitgeber.

Dass es diesmal weit länger dauern wird bis sich die Sozialpartner einig sind – im Vorjahr war es nur eine Gesprächsrunde – war bereits im Vorfeld klar. Die derzeit hohe Inflation von zuletzt 3,3 Prozent, einem Zehnjahreshoch für September, macht eine Einigung schwierig, denn traditionell wird die Teuerungsrate der vergangenen zwölf Monate herangezogen, diese lag bei 1,89 Prozent. Dies als Verhandlungsbasis ist aber den Arbeitnehmervertretern von PRO-GE und GPA deutlich zu wenig.

Die Gewerkschafter berichten heute von rund 350 Warnstreiks in dieser Woche. „Eines der Streikziele – nämlich die Rückkehr der Arbeitgeber an den Verhandlungstisch – wurde somit erreicht", so die Verhandlungsführer Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA). „Die Arbeitgeber sind nun am Zug und müssen ein abschlussfähiges Angebot unterbreiten. Sollte es bei der Verhandlung keine Einigung geben, werden die Streiks kommende Woche ausgeweitet", betonten die Gewerkschafter heute.

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Schützenhilfe für die Arbeitnehmervertreter kam am Freitag von der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich. Nach zwei mageren Jahren müsse der Wirtschaftsaufschwung zu einem „kräftigen Plus" bei Löhnen und Gehältern führen, so AKOÖ-Präsident Johann Kalliauer. „Im Vergleich zum Vorkrisenniveau im ersten Halbjahr 2019 ist das mittlere Brutto-Einkommen in Oberösterreich insgesamt real – preisbereinigt – nur um rund zwei Prozent höher. Auch wenn stabilisierende Maßnahmen wie die Corona-Kurzarbeit Entgeltverluste begrenzen konnten, sind die mittleren Einkommen in einzelnen Branchen, etwa im Kraftwagenbau (- 3,4 Prozent), beträchtlich zurückgegangen", rechnete er in einer Aussendung vor. (APA)


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