Sommertourismus 2021 trotz reger Buchungen weit unter Vorkrisenniveau

Von Mai bis Oktober gab es ein klares Nächtigungsplus von 22 Prozent gegenüber 2020, aber einen beträchtlichen Rückgang von 17 Prozent gegenüber Niveau vor der Pandemie 2019. Sorge um die Wintersaison wegen des starken Anstiegs von neuen COVID-19-Infektionen.

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Der heimische Tourimus konnte sich noch nicht erholen.
© APA/Hochmuth

Wien – Der heimische Tourismus steht nicht nur vor einer wackeligen Wintersaison, sondern hat sich auch in der an sich recht gut gebuchten Sommersaison wirtschaftlich noch nicht erholt. Insgesamt legten die Nächtigungen heuer zwischen Mai und Oktober gegenüber dem ersten Corona-Sommer 2020 um 22 Prozent zu, doch auf das Vorkrisenniveau von 2019 fehlten immer noch 17 Prozent, wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) heute, Freitag, mitteilte.

Zwar sei die Auslastung in den Monaten August und September heuer „sehr hoch" gewesen, doch im Oktober sei es bei den Nächtigungen zu einem Rückgang von 14 Prozent gegenüber dem Oktober 2019 gekommen.

Und auch für den Winter sieht es derzeit nicht rosig aus. Der aktuell starke Anstieg von neuen COVID-19-Infektionen in Österreich, aber auch in weiten Teilen Europas, stelle „ein deutliches Abwärtsrisiko für die kommenden Monate und damit den Beginn der Wintersaison dar", betonte die OeNB.

Im November und in der Adventzeit sei die Hotellerie aber traditionell nur unterdurchschnittlich ausgelastet, die Hauptsaison im Wintertourismus starte mit Weihnachten. „Sollten Ende Dezember zusätzliche und umfassende Einschränkungen notwendig sein bzw. Reisewarnungen vorliegen, so würde dies beträchtliche Einbußen für den österreichischen Tourismus implizieren", hielt die Nationalbank fest.

Trotz des Anstiegs der Neuinfektionen in den vergangenen Wochen habe sich im Oktober der Trend eines Zuwachses von Übernachtungen inländischer Gäste fortgesetzt – dazu beigetragen hätten auch die heuer bundesweiten Herbstferien. Die OeNB sieht für den Monat ein Plus von 6 Prozent. Die Buchungen aus dem Ausland wurden aber deutlich weniger – die Übernachtungen ausländischer Gäste dürften im Oktober der Nationalbank zufolge um 24 Prozent eingebrochen sein. Im Vorkrisenvergleich ergebe sich somit für den Monat insgesamt ein Rückgang der Übernachtungen von 14 Prozent.

Städtetourismus leidet nach wie vor stärker unter Folgen der Pandemie

Die heuer in den Monaten August und September beobachtete „überraschend starke Buchungslage ausländischer Gäste" habe sich jedenfalls „im Oktober nicht fortgesetzt". Als wesentlichen Grund führte die OeNB die Herbstferien in Bayern und Baden-Würtemberg, und auch Belgien, an, die heuer in den November fallen. Weiters leide der Städtetourismus, der in der Nebensaison größere Bedeutung habe, nach wie vor stärker unter den Folgen der Pandemie.

Die Oktoberprognose ermöglicht einen Blick auf das gesamte Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober). Der Beginn der Sommersaison sei „noch von deutlichen Einbrüchen vor allem bei ausländischen Gästen gekennzeichnet" gewesen. Über den Sommer habe sich die Situation zunehmend verbessert. Bereits im Juli hätten die Übernachtungen inländischer Gäste die Werte von 2019 übertroffen und ein vergleichbares Niveau wie 2020 erreicht. Die Rückgänge von Buchungen ausländischer Gäste seien im August und im September nur „knapp unter dem Rekordjahr 2019" gelegen. Da auch im heurigen Sommer Fernreisen nur eingeschränkt möglich waren, machten vor allem viele Gäste aus Deutschland Urlaub in Österreich. Die Zuwächse von Gästen aus Deutschland kompensierten laut OeNB die nach wie vor bestehenden Verluste gegenüber den Überseeregionen.

Die Ausgaben mittels Zahlungskarten von inländischen Gästen in Österreich seien im Oktober geringfügig zurückgegangen, aber weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019 geblieben. Der Anstieg in Kalenderwoche 43 sei primär den Herbstferien geschuldet. Die Zahlungskartenumsätze ausländischer Urlauber lagen laut OeNB im Oktober im Gegensatz zum August und September wieder unter dem Vorkrisenniveau – und zwar um 9 Prozent. (APA)


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