Reitmeier-Nachfolge: Palfrader will Frau an Spitze des Landestheaters
Aus 44 Bewerbungen für die Nachfolge Johannes Reitmeiers wurden die besten drei für das finale Hearing ermittelt.
Von Markus Schramek
Innsbruck – „Schrumpfungsprozess“ klingt gemeinhin als Beschreibung eher unerfreulich. Geht es aber um eine KandidatInnenkür, ist eine solche Abnahme untrügliches Anzeichen dafür, dass die Entscheidung naht. Die Zahl der aussichtsreichen Bewerber wird überschaubar.
44 Damen und Herren fühlten sich bis zum Sommer dazu berufen, die Nachfolge von Langzeit-Landestheaterchef Johannes Reitmeier anzutreten, der sich 2023 aus privaten Gründen vom Haus am Rennweg verabschiedet.
Eine mit Kapazundern besetzte Findungsjury sichtete die Bewerbungen. Ex-Burgtheaterchefin Karin Bergmann, Bettina Hering (Schauspielleiterin der Salzburger Festspiele), Nora Schmid (Intendantin der Oper Graz) und die Theatermacher Andreas Beck (Residenztheater München) und Markus A. Müller (Staatstheater Mainz) filterten aus den 44 Bewerbungen die besten acht heraus.
Dieses Oktett stellte sich im Oktober einem Hearing, bei dem neben der Jury auch die beiden politischen Eigentümervertreter, Landesrätin Beate Palfrader und Bürgermeister Georg Willi, den KandidatInnen ihr Ohr liehen.
Wieder waltete die Jury ihres Amtes und wählte aus den acht einen Dreiervorschlag für das Finale aus. Dieses steigt Ende November, erneut in Anwesenheit der politischen Spitzen. „Es wird eine vertiefende zweite Runde, danach werden wir entscheiden“, kündigt Palfrader an.
Die Namen der letzten drei sind streng geheim, es soll sich um zwei Frauen und einen Mann handeln, Deutsche und Österreicher. Palfrader ringt sich nur so viel ab: „Alle drei kommen aus dem Theater, von unterschiedlichen Disziplinen. Quereinsteiger ist definitiv keiner dabei.“
Das finale Trio entspricht ganz Palfraders Vorstellungen. „Ich hätte auch persönlich genau diese Wahl getroffen“, betont die Landesrätin. Sie macht kein Hehl daraus, wo ihre Präferenz liegt: „Es dürfte bekannt sein, dass ich mir mehr Frauen in Spitzenfunktionen wünsche, sei es in der Wirtschaft, in der Verwaltung oder in der Kultur.“
Noch vor Weihnachten soll die Nachfolge Reitmeiers geklärt und verkündet sein. Vertragsbeginn für den oder die Neue(n) ist der 1. September 2023. Doch schon ab Jänner 2023 soll die neue Intendanz das Programm für die Saison 2023/24 austüfteln, vorerst auf Basis eines Werkvertrags.
Keine Änderung wird es in der kaufmännischen Leitung der Landestheater GmbH geben: Geschäftsführer Markus Lutz hat noch einen laufenden Vertrag bis 2025.
Bei den Festwochen der Alten Musik, rechtlich ein Teil des Landestheaterkomplexes, erfolgt im Sommer 2023 dagegen ebenfalls fix ein Führungswechsel. Der Vertrag von Intendant Alessandro De Marchi läuft aus. Der Dirigent und Cembalist aus Rom will sich künftig einem breiteren Opernrepertoire abseits des Barock widmen.
Anders als im Fall des Landestheaters ist für De Marchis Job eine Ausschreibung nicht nötig, er arbeitete auf Basis eines Werkvertrags. Palfrader sieht noch keinen großen Zeitdruck: „Das Landestheater ist sicher dringender.“
Auch bei den Festwochen will sich die Politikerin mit einer Fachjury beraten. Eine konkrete Vorstellung von der Zukunft hat sie aber schon jetzt. So soll es keine längerfristigen Verträge mehr geben, sondern „kürzere Festwochen-Intendanzen, um verschiedene Teilbereiche der Alten Musik in den Vordergrund zu rücken“.
Beschlossene Sache ist das freilich noch nicht.
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