Der SL von Mercedes darf wieder aufblühen

Er war ein Kultauto, mancher Nachfolger hat sich in großen TV-Serien verewigt, nun darf er sogar den Extremsportler raushängen: der SL, entwickelt unter der Führung der AMG-Tuningschmiede.

  • Artikel
  • Diskussion
Das Design ist zurückhaltender als beim GT Roadster, aber dynamischer als beim SL-Vorgänger.
© Mercedes-Benz

Von Markus Höscheler

Stuttgart – Vor knapp sieben Jahrzehnten begann eine besondere Gesichte in der an Facetten nicht gerade armen Automobilhistorie: Mercedes lancierte den 300 SL, einen straßentauglichen Rennwagen. Der schlug sich hervorragend auf diversen Rennstrecken, schon 1954 folgte mit dem Flügeltürer eine Ikone, die heute noch fasziniert. Einer seiner Nachfolger, ein offenes Modell, flimmerte in den achtziger Jahren weltweit über die TV-Bildschirme – und zwar jedes Mal, wenn Bobby Ewing in „Dallas“ einen Ortswechsel machen musste.

Mercedes hat mit dem SL schon allerhand probiert, geschlossene, offene Modelle, solche mit Hardtop, manche mit Softtop, dann gar nahezu unerschwingliche Derivate geschaffen wie den SLR oder den SLS. Nun ist wiederum eine neue SL-Generation an der Reihe, entstanden unter der Führung der hauseigenen Veredelungsabteilung AMG. Ebendiese GmbH verspricht für den neuen SL, einen 2+2-sitzigen Wagen, eine neu entwickelte Fahrzeugarchitektur, das haufenweise Aluminium verwendet. Davon erhoffen sich die zuständigen Ingenieure mehr Steifigkeit, mehr Fahrdynamik, hohen Fahrkomfort und natürlich sportlich anmutende „Karosserie-Proportionen“. Mercedes-AMG spricht sogar von einem „neuen Rohbau“, kein einziges Bauteil stamme vom SL-Vorgänger oder gar vom AMG GT Roadster.

Klar, der SL darf von seiner Herkunft her nicht ganz so brachial sein wie der 911-Gegner GT, aber gleichzeitig muss er mehr können als ein schlichter offener Gran Turismo. Der neue SL ist somit ein Gratwanderer, einer mit dem Hang zum Flinken und gleichzeitig einer, der das Sänftenwesen verinnerlicht haben soll.

Modern wie noch nie ist das Cockpit des SL gestaltet – mit dem auffällig großen Zentraldisplay auf der Mittelkonsole.
© Mercedes-Benz

Jedenfalls hat sich Mercedes-AMG entschieden, dem neuen SL ein Stoffverdeck zu verpassen, was ihn vom Vorgänger mit dem Metall-Variodach erheblich unterscheidet. Das Softtop wiegt 21 Kilogramm weniger und wirbt außerdem mit einer platzsparenden Z-Faltung für sich. Drei Lagen sorgen für gute Klima- und Akustikwerte, das Öffnen und Schließen erfolgt rein elektrisch in jeweils 15 Sekunden.

Besonders eindrücklich unterscheidet sich der neue SL vom alten im Innenraum. Auch dieses Fahrzeug kommt an der Digitalisierung nicht mehr vorbei, entsprechend gestreut sind die großen Displays auf dem Armaturenbrett – interessanterweise verwendet Mercedes-AMG hier den Begriff „hyperanalog“.

Zum Marktstart wollen die Schwaben den AMG SL mit zwei Aggregaten bedenken: Bei beiden handelt es sich um einen Vierliter-V8-Biturbobenziner, der im Basismodell SL 55 4Matic+ 476 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern stemmt. Darüber rangiert der SL 63 4Matic+, der mit 585 PS und 800 Newtonmetern noch etwas leistungsfähiger ist. Beide eignen sich jedenfalls für die Rennstrecke, zumal sie dank Allrad auch über eine sehr gute Traktion verfügen müssten: Der SL 55 4Matic+ benötigt 3,9 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h und erzielt eine Höchstgeschwindigkeit von 295 km/h. Der SL 63 4Matic+ ist noch einmal drei Zehntelsekunden schneller und schafft 315 km/h.


Kommentieren


Schlagworte