Irakischer Regierungschef überstand Drohnenangriff auf seine Residenz

Über die Hintergründe oder Urheber des Angriffs gab es zunähst keine Informationen. Westliche Diplomaten berichteten, sie hätten Explosionen und Schüsse gehört.

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Der irakische Premier Mustafa al-Kadhimi.
© Florian Gaertner/photothek.net via www.imago-images.de

Bagdad – Der irakische Regierungschef Mustafa al-Kadhimi hat in der Nacht auf Sonntag einen Drohnenangriff auf seine Residenz in Bagdad unbeschadet überstanden. „Der Premier blieb unversehrt und er ist bei guter Gesundheit“, zitierte die Staatsagentur Ina aus einer Mitteilung des militärischen Sicherheitszentrums. Al-Kadhimi twitterte kurz darauf, dass es im gut gehe. „Ich fordere von allen Ruhe und Zurückhaltung im Irak.“

Die Sicherheitskräfte ergriffen „die notwendigen Maßnahmen“, hieß es weiter in der Mitteilung. Über die Hintergründe oder Urheber des Angriffs gab es zunähst keine Informationen. Westliche Diplomaten berichteten, sie hätten Explosionen und Schüsse gehört. Zwei Regierungsvertreter berichteten, die Residenz Khadimis sei mindestens einmal getroffen worden. Die Drohne war mit Sprengstoff beladen.

Schwere Zusammenstöße in Bagdad nach Parlamentswahl

Die Residenz des Premiers liegt innerhalb der besonders geschützten Grünen Zone im Zentrum der irakischen Hauptstadt. In Bagdad gab es zuletzt schwere Zusammenstöße bei Protesten gegen das Ergebnis der Parlamentswahl vor knapp vier Wochen. Dabei hatten vor allem Anhänger von bewaffneten Gruppen, die dem Iran nahe stehen, demonstriert. Bei der Wahl hatten diese Gruppen schlecht abgeschnitten.

Der ehemalige Geheimdienstchef al-Kadhimi hatte im Mai nach einem monatelangen Machtkampf eine Regierung gebildet. Bei den Parlamentswahlen im Oktober hatte die Partei des schiitischen Klerikers Moqtada al-Sadr nach offiziellen Angaben mit klarem Vorsprung gewonnen. Der pro-iranische Politiker Hadi al-Amiri hatte den Wahlsieg al-Sadrs jedoch nicht anerkannt.

Seit 2003 folgen nach Parlamentswahlen schwierige Verhandlungen zur Regierungsbildung, die sich Monate hinziehen können. Die schiitische Mehrheit in der Bevölkerung hat seit der US-geführten Invasion 2003 alle Regierungen gestellt oder dominiert. Die USA hatten damals den Diktator Saddam Hussein gestürzt, der der sunnitischen Minderheit im Land angehörte. (APA/dpa/Reuters)


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