„Inflation wird sich sehr schnell wieder einpendeln“

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In einem halben Jahr könnte die Teuerung wieder Geschichte sein, die Inflation fällt aber somit genau in die Heizsaison.
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Innsbruck – Vieles wird teurer, manches davon ganz konkret spürbar: Spritpreise etwa oder die Stromkosten. Im Oktober hat die Teuerung, wie berichtet, mit 3,7 Prozent ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht. Rund um die Welt sind Zentralbanker mehr oder weniger in Sorge. „Mit Sicherheit kann niemand sagen, wie es weitergeht“, sagt Jürgen Huber, Leiter des Instituts für Banken und Finanzen an der Uni Innsbruck. „Meine Vermutung ist aber, dass es sich schnell wieder einpendeln wird.“

Die aktuelle Entwicklung sei der Pandemie geschuldet, also dem Stillstand und dem folgenden Aufschwung – „Corona hat aber keine Produktionskapazitäten zerstört, es gibt wegen des Virus keine Ölquelle weniger“, erklärt Huber. Das sei anders als nach großen Kriegen. Anlagen, Güter, Rohstoffe, all das sei ja noch da. Die Energiepreise waren vor einem Jahr lediglich extrem gering, der Ölpreis lag teilweise bei null. „In der Zeit wurden keine neuen Bohrlöcher gebohrt, mit dem Aufschwung in der Wirtschaft hat sich der Ölpreis deshalb vervierfacht, der Gaspreis versiebenfacht“, sagt Huber.

Huber ist Professor an der Uni Innsbruck.
© Tobias Haller

Der zweite große Faktor für die steigenden Preise seien die zerrütteten Lieferketten. Aktuell fehlt es überall an Containern und Schiffen, die Frachtraten sind zum Teil ums Achtfache gestiegen. Doch auch hierfür „ist die Energie der Inputfaktor“, sagt Huber. Erhole sich der Energiepreis also wieder, habe das Auswirkungen auf die Lieferketten, was sich konkret in den Preisen aller Güter niederschlage.

Auch eine Lohn-Preis-Spirale scheint derzeit unwahrscheinlich, sagt der Ökonom. Die Spirale beschreibt ein sich gegenseitiges Aufschaukeln: Wenn die Preise steigen, fordern die Arbeitnehmer höhere Löhne. Die Unternehmen rechnen die gestiegenen Lohnkosten in die Preise ein, was wiederum zu Preiserhöhungen führt. Das forsche Auftreten der Gewerkschafter (siehe rechts) könne zwar diese Ängste schüren, doch die starke Produktivitätsentwicklung spreche unter anderem dagegen. „Es ist also eigentlich schon absehbar, dass die Inflation in gut einem halben Jahr zurückgehen wird“, so Huber. (ah)

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