Eine Familie schildert ihre Schicksale auf der Leinwand

Die aus Lienz stammende Filmemacherin Judith Benedikt und ihre Kollegin Weina Zhao präsentieren im heimischen Kino ihre Arbeit.

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Die beiden Regisseurinnen Weina Zhao (l.) und Judith Benedikt lassen im Film auch Zhaos Großmutter Nainai zu Wort kommen.
© Zhao

Von Christoph Blassnig

Lienz – Wenn man sich nicht traut, in der eigenen Familie Fragen nach der Vergangenheit zu stellen, kann man auch ein Filmprojekt als „Ausrede“ und guten Grund dafür wählen. „Ich habe das jedenfalls getan“, lächelt Weina Zhao, eine Filmemacherin, deren Eltern einst von der chinesischen Metropole Peking nach Wien ausgewandert sind und ihrer Tochter gleich den Namen ihrer neuen Heimatstadt gegeben haben: „Wéiynà“ – also Wien. Gemeinsam mit Judith Benedikt, einer Lienzerin, die nach ihrer Matura am bildnerischen Zweig des BORG an der Wiener Filmakademie ihre Ausbildung fortgesetzt und im Jahr 2007 abgeschlossen hat, stellt Zhao am 11. November um 18.15 Uhr im Lienzer Kino CineX den entstandenen Streifen „WEIYENA – EIN HEIMATFILM“ vor.

📽 Trailer | Weiyena – Ein Heimatfilm

Die beiden Frauen hatten sich beim Film „China Reverse“ Benedikts kennen gelernt, nun führten sie erstmals gemeinsam Regie für diesen Heimatfilm, der einen Einblick in eine Familiengeschichte gewährt und darüber hinaus doch viel mehr ist, nämlich auch eine Rückschau in die Zeit der Kulturrevolution im Reich der Mitte – und der heraufreicht bis ins Heute des modernen China. Es geht dabei auch um die großen Themen des 21. Jahrhunderts: Migration, Identität und Vergangenheitsbewältigung.

Von Februar 2014 bis April 2019 besuchten die Filmemacherinnen mehrere Male Zhaos Verwandte in China und ließen sie vor laufender Kamera erzählen. Weltpremiere feierte das Werk bereits im Vorjahr auf der DOK.fest München, wo der Film auch ausgezeichnet worden ist. „In ihrem vielversprechenden ersten Film begibt sich Zhaou unter ihren Familienmitgliedern in China auf (Selbst-)Entdeckungsreise, um ihr eigenes Leben zwischen zwei Kulturen verstehen zu lernen“, hieß es in der Jurybegründung. „Bewegend, herzzerreißend, erschreckend, aber letztlich lebensbejahend“ sei „WEIYENA – EIN HEIMATFILM“ und das „zutiefst persönliche Debüt einer Filmemacherin, die dabei ist, nicht nur ihre eigene Geschichte zu entdecken, sondern auch die eigene Art, davon zu erzählen“.

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Judith Benedikt zeigt nicht zum ersten Mal das Ergebnis ihrer Arbeit in ihrer Heimatstadt Lienz, auch diesmal wieder auf Einladung des Filmclubs Monokel. Am Premierenabend besuchen die beiden Regisseurinnen persönlich die Vorstellung und erläutern dem Publikum mit Moderator Walter Schneider anschließend die Entstehung des Werkes. „Es gibt in meiner Familie eine große Filmtradition“, begründet Weina Zhao die Bereitschaft ihrer Verwandten, überhaupt als Hauptdarsteller in ihrem Dokumentarfilm aufzutreten.

Schon Zhaos Urgroßvater und ihre Großmutter widmeten sich in China der Filmemacherei, auch väterlicherseits bestand Interesse. „Es war also gar nicht ungewöhnlich, dass ich einen Film mache“, erklärt die Regisseurin. „Ich habe allerdings schon Angst gehabt, den Film schließlich meiner Familie zu zeigen“, gesteht Zhao. Eine Rohschnittversion habe sie ihrer Mutter vorgeführt. „Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen, nachdem sie ihn gut gefunden hat.“ Zur Premiere in Peking Anfang des Jahres 2020 konnte die Filmemacherin noch persönlich anreisen, die Pandemie-Beschränkungen verhinderten dies jedoch, als der Streifen vor einem Jahr auch in Schanghai vorgestellt worden war. „Das Erzählen der persönlichen Schicksale lässt den Zuschauer teilhaben, dadurch wird die Geschichte greifbar“, betonen die Filmemacherinnen. Die Botschaft des Films sei für jeden verständlich.


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