Sanierung öffnet Fenster in die Geschichte der Arzler Pfarrkirche

Nun wurden die Sanierungsarbeiten der Pitztaler Pfarrkirche auch für eine archäologische Untersuchung des Altarraums genutzt.

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Die Archäologin Tamara Senfter erklärte den mehr als 20 interessierten Arzler Bürgern am Montagvormittag die Baugeschichte der Pfarrkirche, die einen romanischen Vorgängerbau hat.
© Paschinger

Von Alexander Paschinger

Arzl i. P. – „Der da droben“, meint eine Arzlerin, „das war mein Urgroßvater.“ Sie zeigt auf einen der vier dargestellten Propheten, die 1907/08 von Emanuel Raffeiner anhand realer Gemeindebürger verewigt wurden. Während der Blick nach oben an die Decke Familiengeschichten erzählt, bietet jener in den Boden ein Fenster in die Pfarrgeschichte, die bis zu 1000 Jahre zurückreichen könnte. Könnte, weil Archäologin Tamara Senfter von der Firma Talpa aus Wörgl erst die Ergebnisse der C14-Untersuchungen aus Gräberfunden abwarten will.

Seit Ostern ist die Pfarrkirche zu den Heiligen Ingenuin und Albuin eine Baustelle. Der Pfarrkirchenrat um Pepi Raggl hat sich in ein wahres Abenteuer gestürzt. Aus ursprünglich geschätzten 600.000 Euro an Finanzbedarf wurden es „inzwischen – hoffentlich – zu hoch geschätzte 800.000 Euro“, so Raggl. Aber es traten einfach im Zuge der bisherigen Sanierungen immer mehr Schäden zutage.

Aber die Arbeiten erschlossen auch die Möglichkeit, tief in die Baugeschichte zu blicken. Man weiß nun von vier Kirchenbauten. Die ersten beiden Bauten hatten noch keinen Kirchturm. Östlich der Mauer des ersten Baues legten die Archäologen zehn Körpergräber frei. Diese sollen anthropologisch untersucht werden und Auskunft über den Baubeginn der ersten Kirche geben. Die erhaltenen Mauerreste erlauben „nur eine grobe Datierung in die frühe Romanik vom 10. bis 12. Jahrhundert“, so Senfter. Die erste Erwähnung eines Gotteshauses stammt aber erst aus dem Jahr 1358.

Am Montag folgten mehr als 20 Arzlerinnen und Arzler der Einladung einer kleinen Führung durch die Kirchengeschichte. Dabei konnten sie auch einen Blick auf eine mögliche Stifterpersönlichkeit werfen, die – prominent – im Altarraum begraben war.

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Raggl ist vom Interesse der Bürger, aber auch von der Unterstützung der Gemeinde, Förderstellen und Sponsoren begeistert. Allein die Patenschaften brachten 30.000 Euro, auch Bischof Hermann Glettler übernahm eine für eines der insgesamt 71 Objekte.


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