Entgeltliche Einschaltung
Plus

Von Freunderlwirtschaft und wackeligen Anklagen: TT-Analyse zu Seeber

  • Artikel
  • Diskussion (1)
Reinhard Fellner

Analyse

Von Reinhard Fellner

Nach einer glänzenden Karriere hing Ex-EU-Abgeordneter und Ex-Brüssel-Büro-Leiter Richard Seeber nun über acht Jahre lang der Mühlenstein der Strafverfolgung um den Hals. Ein Gewicht, das einen und die gesamte Familie schnell in den Abgrund ziehen kann. Nicht umsonst hatte Seeber 2019 aufgrund politischen Drucks seine Suspendierung beim Land Tirol gleich selbst eingereicht.

Entgeltliche Einschaltung

Die Vergangenheit hatte den emsigen Oberländer eingeholt. Hatte er doch als Berater im EU-Parlament ausgerechnet einen guten Bekannten und einstigen Geschäftspartner engagiert. Beratungsleistung hin oder her, das rutschige Parkett für den Anschein der Freunderlwirtschaft war gelegt. Eine mit Seeber aus EU-Bürozeiten verfeindete Ex-Assistentin hatte Verdachtsmomente in Richtung Scheinrechnungen als Whistleblowerin deponiert. Gut so – genau dafür gibt es ja dieses Instrument. Aber gerade bei anonymen Anzeigen sollte dann auch höchste Sorgfalt die weitergehenden Ermittlungen führen. Und da zeigte sich im Fall Seeber, dass die 23-seitige Anklage der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zwar spannend zu lesen war, aber nach sechsjähriger Ermittlungsarbeit im Grunde auf tönernen Füßen stand. So gaben im Prozess etliche Zeugen ihre Mutmaßungen zur Arbeit eines EU-Abgeordneten wieder. Niemand im Prozess – auch nicht der Ankläger – schien über die Arbeit eines EU-Abgeordneten oder die Abläufe in Brüssel aber genauer informiert zu sein. So verkam die Aufarbeitung eines angeklagten Großbetrugs an der EU zum besseren Kaffeetratsch einstiger Uni-Abgänger in Seebers Brüssel-Büro. Dass in einigen Aussagen Revanchismus gegenüber dem verhassten Chef ruhte, stellte dann sogar das Gericht bei der Begründung der Freisprüche fest. Den Vogel bei den Ermittlungen schoss das Bundeskriminalamt ab: Dieses schaffte es nicht einmal, Seebers Tätigkeiten von der öffentlichen Homepage des EU-Parlaments abzurufen. Keine vertretbaren Grundlagen für eine solche Anklage.


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung