Springer-Verlag

Nach Reichelt-Affäre: Mitarbeiter sollen Liebesbeziehungen offenlegen

Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt.
© C3455 Robert B. Fishman

Als Konsequenz aus der Affäre um den entlassenen "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt sollen beim Springer-Verlag Liebesbeziehungen zwischen Beschäftigten der Führungsetage und solchen aus der Belegschaft künftig intern offengelegt werden.

Berlin – Der Axel-Springer-Verlag plant nach der Affäre um den früheren „Bild“-Chef Julian Reichelt strengere Regeln für alle Beschäftigten. Demnach müssen künftig Liebesbeziehungen zwischen Managern oder Managerinnen und der Belegschaft intern offengelegt werden, wie ein Konzernsprecher am Dienstag sagte. Der Vorstand habe dies bereits im April beschlossen. Dies sei mitbestimmungspflichtig, deshalb sei man dazu in Gesprächen mit dem Betriebsrat, um eine Lösung zu finden.

Konzernchef und Großaktionär Mathias Döpfner räumte ein, dass die Regeln für Beziehungen am Arbeitsplatz in den USA strenger seien. „Wir können keine doppelten Standards akzeptieren“, sagte Döpfner der „Financial Times“. Man werde eine globale Regel anwenden, die auf den angelsächsischen Standards basiere, weniger auf den „lockeren, niedrigeren europäischen Vorgaben“.

Gegen Reichelt hatte es im Frühjahr ein Compliance-Verfahren wegen des Vorwurfs des Machtmissbrauchs etwa gegenüber Frauen gegeben. Da Reichelt auch danach Privates und Berufliches nicht klar trennte und eine Beziehung mit einer „Bild“-Mitarbeiterin hatte, warf Springer ihn hinaus.

Druck wegen Einstiegs im US-Medienmarkt

Die Berliner sehen sich als Europas größten Digitalverlag und möchten sich auf dem Weg zur weltweiten Nummer eins verstärkt auf dem US-Medienmarkt engagieren. Springer kaufte vor kurzem die US-Nachrichtenfirma Politico und tätigte die größte Investition in der Firmengeschichte – Insidern zufolge für mehr als eine Milliarde Dollar. Für Springer ist die Entwicklung besonders heikel, weil Recherchen unter anderem der „New York Times“ zur Trennung von Reichelt geführt haben und die Unternehmenskultur von „Bild“ und Springer in den USA ins Kreuzfeuer der Kritik geriet.

Aus Springer-Sicht verhinderten Belegschaftsvertreter vor vier Jahren eine Regelung zu Beziehungen. Sollte es nun keinen Kompromiss geben, werde man von allen Angestellten weltweit erwarten, dass sie den Verhaltenskodex respektieren, sagte Döpfner der „Financial Times“. „Wer sich nicht entsprechend verhält, muss die Firma verlassen.“ (APA/Reuters)

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