Lockdown? Geimpfte sollen nicht zum Handkuss kommen

Ärzte in Spitälern sind zum Teil schon am Limit, Oberösterreich und Salzburg gelten als „Krisen-Länder“, die Regierung drängt auf einen Lockdown für Ungeimpfte. Die Tirol Kliniken beginnen Operationen zu verschieben.

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Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) lehnt einen Lockdown für Geimpfte ab. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) fordert diesen für Nicht-Geimpfte in OÖ und Salzburg.
© APA

Innsbruck, Wien – Die Zahl der Neuinfektionen erreicht Rekordwerte: Am Mittwoch waren es österreichweit 11.398 und in Tirol 951. Damit steigt zugleich die Auslastung in den Intensivstationen. Innerhalb einer Woche hat sich die Anzahl der Intensivpatienten um 80 auf 413 (Tirol: 38) erhöht. In Salzburg und Oberösterreich sind die Spitalsärzte und Intensivmediziner bereits am Anschlag.

Aufgrund der deutlich steigenden Belastung der Intensivstationen beginnen die Tirol Kliniken jetzt ihre Leistungen an der Klinik Innsbruck und in Hall zu reduzieren. Davon nicht betroffen sind natürlich Notfälle oder Eingriffe, die dringend notwendig sind. Ziel dieser Maßnahme ist es, Kapazitäten für die Versorgung von kritischen Nicht-Covid-Patienten und Covid-Patienten verfügbar zu haben. Außerdem müssen Besucher und Begleitpersonen für den Zutritt zum Krankenhaus ab 15. November den „Grünen Pass“ vorweisen.

An der Klinik werden aktuell 20 Patienten intensivmedizinisch betreut, einer davon ist geimpft. In Hall liegen vier Patienten auf der Intensivstation, keiner davon hat sich impfen lassen.

Immer intensiver wird deshalb im Hintergrund über Lockdowns geredet, Mediziner und Experten aus Salzburg und Oberösterreich fordern angesichts der dramatischen Situation in ihren Ländern offen neuerliche Kontaktbeschränkungen als „letzten Ausweg“. Dazu gab es gestern einen Krisengipfel zwischen den Landeshauptleuten von Oberösterreich und Salzburg, Thomas Stelzer und Wilfried Haslauer, mit Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne).

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Mückstein will regionalen Lockdown für Ungeimpfte

Mückstein drängt auf einen regionalen Lockdown für Ungeimpfte, um die Infektionskurve abzuflachen. Heute soll mit Experten weiter verhandelt werden, ob ein Vorziehen der Stufe 5 des Corona-Stufenplans, der sich an der Auslastung der Intensivstationen orientiert – also Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte –, in den beiden Bundesländern sinnvoll ist. Stelzer sieht das noch kritisch. Für Haslauer gehört diskutiert, „ob das eine sinnvolle oder eine symbolische Maßnahme ist“.

📽️ Video | Mückstein für Lockdown für Ungeimpfte

Aus den Ländern kommt generell Widerstand, es wird auf die erst am Montag in Kraft getretene 2-G-Regel (genesen und geimpft) verwiesen. Die Lockdown-Debatte würde die Menschen wieder verunsichern, heißt es, man solle erst einmal abwarten, wie die Maßnahmen wirken. Der Tiroler Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser (ÖVP) übt offene Kritik an der aktuellen Debatte. „Wir können nicht alle zwei Tage etwas Neues beschließen, so kommen wir nicht weiter.“ Generelle Lockdowns schließt Walser kategorisch aus, „das wäre nicht mehr verkraftbar und eine Katastrophe“.

Wir können nicht alle zwei Tage etwas Neues beschließen. Ein genereller Lockdown wäre eine Katastrophe.
Christoph Walser (Wirtschaftskammerpräsident)

Sollte es nicht davor eine Krisen-Sitzung geben, wird der nächste Corona-Gipfel zwischen Bundesregierung und Landeshauptleuten bei der Landeshauptleute-Konferenz nächsten Donnerstag bzw. Freitag in Tirol stattfinden. Bundeskanzler Alexander Schallenberg und Wolfgang Mückstein sollen daran teilnehmen. Schallenberg lehnt einen Lockdown für Geimpfte ebenfalls ab.

Kommt Reisewarnung?

:Gebannt schaut die Politik heute wieder nach Deutschland. Österreich droht die Einstufung als Hochrisikogebiet. Um nicht in Quarantäne zu müssen, würde bei der Rückkehr nach Deutschland die 2-G-Regel gelten. (pn)


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