Steuersünder vor dem Kadi: Tiroler Skischulbetreiber verurteilt

In einer Außerferner Skischule waren Skilehrer über acht Jahre teils steuerschonend angestellt worden. Schaden: 600.000 Euro.

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© Symbolbild: Zangerl

Nachdem Steuerhinterziehung in Österreich eine Zeit lang quasi als Volkssport gegolten hatte, verfolgen die Finanzbehörden Abgabenhinterziehungen mittlerweile rigoros. Allein gestern mussten sich deshalb gleich zwei Unternehmer wegen Abgabenhinterziehung verantworten. Zusammengerechnet lag beiden Fällen immerhin ein hinterzogener Betrag von einer Million Euro zugrunde. So zeigte sich ein ex-Sportler und Skischulbetreiber aus dem Außerfern dazu geständig, von 2008 bis 2016 600.000 Euro hinterzogen zu haben. Laut Staatsanwalt Florian Oberhofer hatte es Anweisung gegeben, Bar-Kunden für Privatstunden nicht in das EDV-Programm einzugeben, sondern diese Einnahmen nur über einen Quittungsblock zu erfassen. Den Kunden war dann nur ein Durchschlag ausgehändigt worden, der bei Kursbeginn wiederum beim Skilehrer abzugeben war, sodass zum Schluss gar kein Zahlungsbeleg mehr existiert hatte.

Lange hatte diese steuerschonende Abwicklung funktioniert, bis es 2017 zum Streit in der Skischule gekommen war. Acht Skilehrer, die gleichzeitig Mitgesellschafter der Schule waren, hatten direkt bei der Polizei Anzeige erstattet. Vor Richterin Martina Eberherr rechtfertigte sich der Angeklagte damit, dass man für spontane Kurse eben schnell und unbürokratisch Skilehrer gebraucht hatte. Schnee von gestern. Bis heute hat der nunmehr 72-Jährige bereits über die Hälfte des Schadens gutgemacht und stottert ihn weiter mit monatlich 5600 Euro ab. Nachdem sich der Staatsanwalt auch noch für die überlange Verfahrensdauer entschuldigt und die Finanz das Nachtatverhalten gewürdigt hatte, flossen beim Schlusswort Tränen.

Freudentränen waren es dennoch keine: Zur Rückzahlung von 179.000 Euro kam rechtskräftig eine Geldstrafe von zur Hälfte bedingten 150.000 Euro. 1,2 Mio. Euro hätte die Strafe maximal betragen können, Gewerbsmäßigkeit wurde im Zweifel aber nicht angenommen. Der Chef einer großen Zimmerei zeigte sich ebenso zu einer Steuerhinterziehung von 410.486 Euro geständig. Im Nachhinein hatte er bedauert, „in einem System mitgemacht“ zu haben, das von Kunden auch unmissverständlich so eingefordert worden war. „Machte man nicht einen Teil ,schwarz‘, verlor man eben den Auftrag“, so der Firmenchef. Laut Staatsanwalt Andreas Leo habe der Zimmerer nun aber zur „Steuerehrlichkeit zurückgefunden“. Der Preis war hoch: Über Kredit und Grundverkauf wurde erst der Schaden bei der Finanz gutgemacht. Dazu kamen zu 1000 Euro Prozesskosten rechtskräftig zur Hälfte bedingte 124.000 Euro Geldstrafe.

Vier Monate bedingte Haft und 6000 Euro Geldstrafe kassierte hingegen (nicht rechtskräftig) eine Promille-Lenkerin, die im August einen Autounfall verursacht hatte, weil sie bei der Fahrt einen Gegenstand vom Fußboden holen wollte. Richter Andreas Mair: „Ein Mehr an grober Fahrlässigkeit kann es kaum geben, wenn man mit 1,7 Promille den Kopf im Beifahrerfußraum hat. Da fällt mir eigentlich nur noch eine Fahrt mit Augenbinde ein!“ (fell)


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