Deutschland-Bild der Österreicher: Gründlich und rechthaberisch

Eine Studie reproduziert bekannte Klischees und sieht Verbesserungsbedarf der Beziehungen zwischen beiden Ländern.

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35 Prozent der Befragten sehen Deutschland als das emotional ihnen am nächsten stehende Nachbarland.
© Michael Kappeler

Wien/Berlin – Das Bild der österreichischen Bevölkerung von Deutschland sowie den Deutschen ist gut, aber nicht ungetrübt. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch präsentierte Studie, die von der deutschen Botschaft in Wien in Auftrag gegeben wurde. Die Antworten von etwa 1000 befragten Österreicherinnen und Österreichern reproduzieren bekannte Klischees. So werden die Deutschen als gründlich, verlässlich, freundlich, direkt, aber auch rechthaberisch empfunden.

Ein relative Mehrheit sieht zudem einen Verbesserungsbedarf der Beziehungen zwischen beiden Ländern und ihren Bewohnern. Die Ergebnisse seien eine Fundgrube zum besseren Verständnis der wichtigen Beziehung von engen Partnern, kommentierte am Mittwoch der deutsche Botschafter Ralf Best. Er sehe günstige Voraussetzungen für eine Verbesserung dieser Beziehungen: „Je besser Österreicher uns kennen, desto mehr schätzen sie uns. Das verstehen wir als Ermutigung, für unser Land und unsere Menschen zu werben", erklärte Best.

Sie würden Deutsche vor allem an der Sprache erkennen, erklärten 95 Prozent der Befragten Österreicher, auch das Auftreten spiele für 59 Prozent eine Rolle. Begegnungen von Österreichern und Deutschen fänden mehrheitlich im Urlaub (62 Prozent) und in der Gastronomie (52 Prozent) statt. Auch im Freundeskreis (72 Prozent), im beruflichen Umfeld (64 Prozent) sowie in der Familie (48 Prozent) haben es Österreicher mit Deutschen zu tun. Außerordentlich sympathisch fanden indes nur 13 Prozent der Befragten die nördlichen deutschsprachigen Nachbarn, extrem unsympathisch sieben Prozent. Die Durchschnittssympathie lag auf einer zehnteiligen Skala bei 6,1 und war somit insgesamt positiv.

Gefälle von Ost nach West

Die Bewertung der deutschen Nachbarn, die als gründlich (72 Prozent), verlässlich (67 Prozent), direkt (60 Prozent) sowie freundlich und rechthaberisch (je 59 Prozent) wahrgenommen werden, hängt laut der Studie auch von gesellschaftlichen Faktoren ab: Je älterer und Deutschland-erfahrener desto positiver die Wahrnehmung, gleichzeitig nehmen die Sympathiewerte auch von West nach Ost zu.

Ihre Einschätzung der Deutschen habe sich in den letzten Jahren nicht verändert, sagten 75 Prozent der Befragten. Eine positive Veränderung konstatierten 13 Prozent, eine negative 10 Prozent. Eine kritischere Wahrnehmung wurde insbesondere mit Arroganz, lautem Auftreten, politischen Fragen sowie mit negativen Erlebnissen mit deutschen Touristen begründet.

Wenig überraschend ist auch die Einschätzung von 35 Prozent der Befragten, die Deutschland als das emotional ihnen am nächsten stehende Nachbarland sehen. Es folgen Italien (18 Prozent) sowie die Schweiz (11 Prozent) mit deutlichem Abstand. Gleichzeitig wünscht sich eine deutliche Mehrheit (77 Prozent) von Deutschland, dass es auf kleinere Staaten mehr Rücksicht nehme und auch mehr auf Österreich höre (63 Prozent). Etwa 70 Prozent plädierten zudem für gemeinsame internationale Initiativen von Österreich und Deutschland. 60 Prozent erklärten, dass die beiden Länder dabei weniger auf Zauderer hören sollten. (APA)


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