Klimakonferenz im Finale: Neuer Entwurf schwächt Kohleausstieg-Forderung ab

Ein Durchbruch bei den Verhandlungen in Glasgow steht weiter aus, Ernüchterung in Sachen Kohleausstieg bringt ein neuer Entwurf für die Abschlusserklärung.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Vor den Toren der Klimakonferenz in Glasgow wird regelmäßig gegen die – in den Augen der Aktivisten – unzureichenden Beschlüsse in Sachen Klimaschutz protestiert.
© Andrew Milligan via www.imago-images.de

Glasgow – Am offiziell letzten Tag der UN-Klimakonferenz in Glasgow steht ein Durchbruch in den Verhandlungen noch aus. Gleichzeitig wurde die Forderung nach einem globalen Kohleausstieg deutlich abgeschwächt, wie aus einem neuen Entwurf für die Abschlusserklärung hervorgeht.

📽 Video | Klimakonferenz geht in die Schlussphase

In einer früheren Fassung war noch davon die Rede, dass die Staaten den "Ausstieg aus der Kohle und aus Subventionen in fossile Energieträger beschleunigen" sollten. In der aktuellen Fassung heißt es, der Ausbau sauberer Energien solle vorangetrieben werden und die schnelle Abschaltung von Kohlekraftwerken, deren ausgestoßenes Kohlendioxid nicht gebunden wird, beschleunigt werden. Außerdem sollten lediglich "ineffiziente" Subventionen für fossile Energieträger beendet werden.

Verlängerung bis ins Wochenende wahrscheinlich

Am Ende der Weltklimakonferenz, planmäßig für Freitagabend angesetzt, müssen die rund 200 Staaten den finalen Erklärungstext gemeinsam offiziell beschließen. Frühere Konferenzen waren meist ins Wochenende verlängert worden.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Erklärtes Ziel des Gipfels ist, es die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit im Rahmen des Möglichen zu halten. Derzeit bewegt sich die Erde selbst bei Einhaltung aller nationaler Klimaschutzzusagen auf eine folgenschwere Erwärmung um 2,7 Grad zu.

Berlin sieht Fortschritte, aber noch viel Verhandlungsbedarf

Der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte im Deutschlandfunk, im Ringen zwischen den fast 200 Staaten gebe es "jetzt große Fortschritte, aber da werden wir den ganzen Tag noch verhandeln". Für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens müssten noch die letzten völkerrechtlichen Regeln vereinbart werden. "Da gibt es noch drei Leerstellen, die müssen gelöst werden, sonst werden die nächsten Jahre sehr, sehr schwierig in der Umsetzung des Pariser Abkommens."

Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass in der Rahmenentscheidung der Konferenz der Aufruf zum Kohleausstieg enthalten bleibe, sagte Flasbarth. Auch den Vorschlag, die nationalen Klimaziele jährlich in den Blick zu nehmen, befürwortete er, allerdings "nicht als Rechtsverpflichtung für alle Staaten".

📽 Video | Guterres fordert radikales Handeln beim Klimaschutz

Um bis 2050 weltweit Klimaneutralität zu erreichen, sei es wichtig, sich "jährlich zu vergewissern", dass die Staaten auf dem richtigen Weg seien, sagte Flasbarth im Deutschlandfunk. Bei künftigen UN-Klimakonferenzen müssten die Verhandler tatsächlich "viel, viel mehr auf die Umsetzung schauen".

Zu der sich abzeichnenden Verlängerung der COP26 sagte Flasbarth: "Ich habe eigentlich vor, morgen hier abzureisen, aber wir haben schon Vorkehrungen getroffen, dass das auch länger gehen könnte." Als bisherige Erfolge der Weltklimakonferenz lobte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium insbesondere die am Mittwoch verkündete Vereinbarung zwischen den USA und China für mehr Klimaschutz in den kommenden Jahren. (APA/AFP)


Kommentieren


Schlagworte