Platter baut auf Geimpfte und Genesene als Gäste, Branche sieht „Desaster"

Die deutsche Einstufung von Österreich als Hochrisikogebiet habe sich "bereits abgezeichnet", sagte LH Platter. Tourismus-Obmann Mario Gerber sieht vor allem aufgrund der Quarantäneregelung für Kinder die Saison in Gefahr.

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Der Start der Wintersaison in Tirol wird erneut vom Corona-Infektionsgeschehen überschattet.
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Innsbruck – Nicht überrascht hat sich LH Günther Platter (ÖVP) über die deutsche Einstufung von Österreich als Hochrisikogebiet gezeigt. Die Reisewarnung habe sich "bereits abgezeichnet", sagte Platter. Er betonte aber, dass für Geimpfte und Genesene der Urlaub ohne große Einschränkungen möglich sein wird. In der Tourismusbranche sah man dagegen ein "Desaster".

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"Sicherheit ist das Herzstück des heurigen Winterurlaubs", meinte Platter, der darauf verwies, dass Deutschland aktuell rund 70 Länder als Hochrisikogebiete einstufe. Die Tiroler Tourismusbetriebe und Skigebiete hätten sich jedenfalls mit "umfassenden Hygiene- und Sicherheitskonzepten" akribisch vorbereitet.

Gerber "wütend" über deutsche Quarantäneregelung für Kinder

Der Tourismus-Obmann in der Tiroler Wirtschaftskammer, Mario Gerber, war dagegen "wirklich wütend", nachdem Deutschland seinen Informationen nach in der Einreiseverordnung auch eine Quarantäneregelung für Kinder unter zwölf Jahren vorsehe. Es gebe keinen zugelassenen Impfstoff für Kinder, zudem bestehe eine EU-Regelung, dass Kinder keinen Impfnachweis bringen müssen. Tirol sei ein Tourismusgebiet, das von Familien lebe. Mit der 2G-Regelung sei die Wintersaison zwar eine Herausforderung, aber möglich gewesen.

🔍 Die deutsche Regelung im Detail

Deutsche Gäste, die in Österreich Urlaub machen, müssen ab 14. November bei der Heimfahrt neue Einreisebestimmungen beachten. Einreisende sowie Reiserückkehrer aus einem Hochrisikogebiet müssen sich im Voraus online anmelden und ihren gültigen 3G-Nachweis über dieses Portal hochladen. Bei der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet müssen getestete Personen verpflichtend eine zehntägige Quarantäne antreten – diese kann nach dem fünften Tag durch ein "Freitesten" beendet werden.

Die Einschränkung trifft zwar in erster Linie ungeimpfte Gäste, das Problem für Österreich ist aber, dass sich Kinder unter zwölf Jahren in Deutschland immer in eine fünftägige Quarantäne begeben müssen, unabhängig davon, welche Maßnahmen für die Eltern gelten. Damit könnte es dennoch Stornierungen hageln. Geimpfte und Genesene sind von dieser verpflichtenden Quarantäne ausgenommen.

Die Verantwortung dafür machte Gerber klar beim Gesundheitsministerium und Minister Wolfgang Mückstein (Grüne) aus, der es offenbar nicht geschafft habe, über diesen Punkt mit Deutschland zu verhandeln. "Ich erwarte mir jetzt Gespräche auf höchster diplomatischer Ebene, um eine Lösung zu finden", forderte er. Offensichtlich wisse man beim Gesundheitsministerium in Wien nicht, welchen Stellenwert der Tourismus für Tirol habe, so der Landtagsabgeordnete. Er verstehe nicht, warum es da mit Deutschland "keinen Austausch gibt". "Wir müssen da jetzt deutlicher und lauter werden", kündigte Gerber an.

Er zeigte sich auch angesichts der steigenden Infektionszahlen im Land mit dem Pandemiemanagement von Mückstein unzufrieden: "Natürlich stelle ich mir die Frage, warum der Gesundheitsminister nicht schon früher Maßnahmen gesetzt hat". Nicht nur im Hinblick auf den Tourismus frage er sich, wie es mit diesem "Gesundheitsproblem" in Österreich weitergehen solle.

Hotelier-Vertreter: "Totale Verunsicherung und große Enttäuschung"

Hoteliervereinigung-Chefin Michaela Reitterer bezeichnete die Reisewarnung als "atmosphärische Katastrophe". Die Vertreterin der Hoteliers in der WKÖ, Susanne Kraus-Winkler kritisierte, dass "der Eiertanz der Politik nicht mehr verständlich" sei.

Infektiologen hätten rechtzeitig vorgewarnt – und es sei sogar noch schlimmer gekommen, sagte die Branchensprecherin mit Blick auf die explodierenden Coronainzidenzen. "Die Dynamik der Inzidenzzahlen und die Planlosigkeit der Politik macht alle fertig", umriss die Hotelière die Stimmung in der Branche. "Es ist ein Desaster – es ist eine totale Verunsicherung da, die äußert sich in großer Enttäuschung mit der Politik", sagte Kraus-Winkler.

Bisher noch keine Stornowelle

Bisher hätten die hohen Fallzahlen in Österreich noch zu keiner Stornowelle unter den Urlaubern geführt, berichtet ÖHV-Chefin Reitterer. "Wir haben ohnehin 2G in den Hotels, bei uns buchen nur Geimpfte und Genesene", betonte Reitterer. "Wir wollen einen Winter haben, wir sind gut darauf vorbereitet", sorgt sich die Touristikerin um das Geschäft. Der vergangene Winter 2020/21 war für die Branche wegen des monatelangen Lockdowns ein Totalausfall.

Opposition sieht Regierungsversagen

Von der Opposition kam Kritik an der türkis-grünen Bundesregierung. Die FPÖ meinte, die Regierung habe erneut mit ihren falschen Maßnahmen kläglich versagt. Laut NEOS müssten es nun wieder Unternehmen und Mittelstand ausbaden, weil es die Regierung nicht geschafft habe, die Menschen zum Impfen zu bewegen. Die SPÖ monierte, dass es im Tourismusbudget keinen Cent für coronabedingten Einnahmenentfall gebe. Aus der Branche kamen erste Rufe nach weiteren staatlichen Hilfen. (TT.com, APA)


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