„Universität im Dorf“ in Außervillgraten wirft „unmaskierten Blick auf Corona“

Seit 20 Jahren veranstaltet die Gemeinde Außervillgraten gemeinsam mit der Universität Innsbruck das Projekt „Universität im Dorf“.

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Die „Universität im Dorf“ hat in Außervillgraten schon seit 20 Jahren Tradition und bringt Wissenschaft zu den Menschen.
© Gemeinde Außervillgraten

Von Christoph Blassnig

Außervillgraten – Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg zum Propheten, lautet ein geflügeltes Wort. Oder anders: Kommt das Osttiroler Bergdorf nicht zur Universität in Innsbruck, dann machen sich einfach Wissenschafter der Hochschule auf und besuchen das Bergdorf.

Seit 20 Jahren ruft die Gemeinde Außervillgraten zur „Universität im Dorf“. Jeweils an einem Wochenende ist die Bevölkerung jedes Jahr zu einer Vortragsreihe eingeladen. Am 27. und 28. November steht heuer die aktuelle Pandemie zur Diskussion. „Ein unmaskierter Blick auf Corona“ lautet der Titel der Veranstaltung. Marina Hilber vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie beleuchtet etwa in ihrem Vortrag „Pandemie revisited“ die Bekämpfung der Kinderlähmung im 20. Jahrhundert. Silvia Exenberger von der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Universität Innsbruck gibt einen Überblick, wie es den Kindern nach eineinhalb Jahren Pandemie geht. Claus Oberhauser vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie stellt die Frage, ob Verschwörungstheorien ein gesellschaftliches Problem sind. Altrektor Karlheinz Töchterle referiert am Sonntagvormittag über Pandemie-Diskurse einst und heute: Es geht dabei um Ursachen, Phänomene und Folgen. Vom Institut für Pharmazie der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg gewährt Daniela Schuster einen Einblick in die pharmazeutische Wirkstoffforschung: Wie kommt man von einer Idee bis zur zugelassenen Arznei?

„Die Universität im Dorf ist ein Aushängeschild für unsere Gemeinde“, sagt Bürgermeister Josef Mair. Die Idee dazu hatte einst der Jesuitenpater Lothar Lies, der seine Freizeit stets im Osttiroler Dorf verbrachte und die erste Veranstaltung mit seinen Doktoranden bestritt. Inzwischen führt die Universität Innsbruck das Projekt fort. „Es ist eine Bereicherung für uns, dass wir regelmäßig Persönlichkeiten zu uns ins Dorf einladen können und uns dank ihrer Expertise mit den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Themen beschäftigen dürfen“, meint Mair. Aus der gesamten Region würden die Zuhörer kommen, auch aus Südtirol. Seit einigen Jahren findet auch eine eigene Kinderuni mit altersgerechten Inhalten statt.

Die Universität möchte ihre Angebote in dieser Richtung ausdehnen, sagt Isolde Erricher-König vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit (BfÖ) der Uni Innsbruck. „Wir bieten auch anderen Gemeinden die Möglichkeit an, unsere Wissenschafter zu sich einzuladen und sie aus ihrer Forschungsarbeit berichten zu lassen.“ Die Universität würde damit ihrem Auftrag der Wissensvermittlung für die Bevölkerung nachkommen. Jugendliche könnten zu diesem Zweck genauso wie Erwachsene „Wissenschafter buchen“. „Der Vorbehalt, die Wissenschaft agiere abgehoben und nur zum Selbstzweck in ihrem Elfenbeinturm, der stimmt schon lange nicht mehr und soll weiter entkräftet werden“, meint Erricher-König. Beispielsweise gebe es die „Pop Up University“, die direkt mit den Menschen an Orten in Tirol, Vorarlberg und Südtirol interagiere. Auch die „Nacht der Forschung“ sei eine Einladung, von der die Bevölkerung direkt profitiere – wenngleich man dazu selbst vor Ort sein muss. „Es ist gut, wenn sich die Universität auf den Weg zu den Menschen macht.“ Die Veranstalter halten aus heutiger Sicht am Programm fest, für die Durchführung sollen selbstverständlich alle Covid-Regeln eingehalten werden. „Wir hoffen auf einen Erfolg.“


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