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Wiens Bürgermeister Ludwig im Interview: „Nicht die Zeit für Machtspielchen“

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) übt Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung. Er sieht Sebastian Kurz im Hintergrund die Fäden ziehen. In der Inseratenpolitik weist er Kritik zurück.

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Michael Ludwig geht davon aus, dass die SPÖ mit Pamela Rendi-Wagner in die kommende Nationalratswahl gehen wird.
© Herbert Pfarrhofer

Herr Bürgermeister, kennen Sie sich eigentlich noch aus – welche Corona-­Politik verfolgt die Bundesregierung?

Michael Ludwig: Der Konflikt in der Regierung und die unterschiedlichen Positionen sind spürbar. Deshalb haben wir vor dem Sommer für Wien einen eigenständigen Weg eingeschlagen. Dies wurde vor allem von der ÖVP und auch von einigen Medien kritisiert. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir für die Millionenstadt den richtigen Weg beschritten haben.

Hören Sie in Wien also mehr auf die Experten?

Ludwig: Wir haben von Anfang an Expertinnen und Experten in die Entscheidungen einbezogen. Ich bin weder ein Virologe noch ein Prognostike­r oder Mediziner. Ich höre deshalb auf jene, die hier qualifiziert sind, frage um Rat.

Entscheidungen der Politik sollen von der Bevölkerung akzeptiert werden und nachvollziehbar sein. Der jüngste Disput zwischen Kanzler Schallenberg und Minister Mückstein ist ein Indiz, dass in der Regierung nichts mehr geht.

Ludwig: In einer unübersichtlichen Zeit sollte die Politik an einem Strang ziehen. Deshalb will ich hier keine Bewertungen abgeben, um nicht zusätzlich für Unruhe zu sorgen. Aber wichtig wäre, über Partei- und Bundesländergrenzen hinweg der Bevölkerung zu vermitteln, was geplant ist und welche Maßnahmen gesetzt werden müssen. Die Gesundheit ist das Wichtigst­e, aber zudem muss auf den Wirtschaftsstandort und das Bildungssystem Rücksicht genommen werden.

Sehen Sie hier Sebastian Kurz am Werk, der im Hintergrund die Fäden zieht?

Ludwig: Es scheint so zu sein. Er war es, der im Sommer das Ende der Pandemie plakatieren ließ. Da wundert es nicht, wenn dann Kurz bei der Meinungsbildung in der ÖVP noch eine große Rolle spielt. Die Zahlen zeigen aber ganz eindrucksvoll, dass jetzt nicht mehr die Zeit ist für solche Machtspielchen.

Sie haben einen „Lockdown für alle“ als allerletzte Konsequenz bezeichnet. Kann man diesen Schritt noch verhindern?


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