Domingo in der Staatsoper: Wenn Abschied spanisch klingt

Opernweltstar Plácido Domingo wurde bei der Zarzuela-Gala „Noche Española“ laut gefeiert. Angeblich sein Abschied von der Wiener Staatsoper.

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Plácido Domingo gefeiert, mit Blumen: Heute ist nicht alle Tage, ich komm’ wieder, keine Frage?
© Wiener Staatsoper/Pöhn

Von Stefan Musil

Wien – „Das kann nicht sein!“, lautete der Titel der Arie, die Plácido Domingo zum Finale des ersten Teils anstimmte. Sie stammt aus der spanischen Zarzuela „La tabernera del puerto“, auf Deutsch in etwa „Die Wirtin vom Hafen“, von Pablo Sorozábal. Darin wird natürlich eine geliebte Frau besungen, „Augen, die weinen, können nicht lügen“. Aber wenn es am Schluss heißt „... weil ich nichts vortäuschen kann, weil ich nicht schweigen kann, weil ich nicht leben kann!“, dann klingt das fast wie ein Credo der nicht enden wollenden Ausnahmekarriere.

Plácido Domingo tatsächlich ein allerletztes Mal an der Wiener Staatsoper? Dort, wo er 1976 als Verdis Don Carlo debütierte und seither 300 Opernabende gestaltet hat.

Man wird also sehen müssen, wie viele Abende dieser „Noche Española“ von vorgestern Montag – die als Gala zum Abschied des Stars angekündigt war und von ihm sogleich selbst wieder relativiert wurde – noch folgen werden.

Selbst dass Domingo im ersten Teil seines Wien-Farewell, einem „Nabucco“ am Freitag letzter Woche, noch während der Vorstellung an den jungen Kollegen übergeben musste, weil er offiziell an einer Halsentzündung laborierte, war bei der Zarzuela-Gala vergessen. Und wer schon 2017 beim 50-Jahr-Staatsopern-Jubiläum des Spaniers gestaunt hatte, der staunte jetzt umso mehr.

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Da geht immer noch was. Da gelingen den Stimmbändern dieses Sängers, der längst in seiner Alterskarriere in die Baritonlage gewechselt ist, manch magische Momente, samten-schöne Töne – und der Rest wird mit Charme und Charisma und seiner hochansteckenden Freude, auf der Bühne und vor Publikum stehen zu können, wettgemacht.

Den Fans war im vollen Haus jedenfalls zum lauten Jubeln zumute, aber nicht zum Adieu-Sagen. Und als er als letzte Zugabe „Lippen Schweigen“ aus der „Lustigen Witwe“ anstimmte, in die bald auch seine Gala-Mitstreiter Saioa Hernández und Arturo Chacón-Cruz einstimmten, war das höchstens Anlass, sich jubelnd von den Sitzen zu erheben und dem Star die Bouquets zuzuwerfen.

Davor hatte er in Arien und Duetten aus Stücken etwa von Manuel Penella und Federico Moreno Torroba die Fans begeistert. Tenorunterstützung bekam er dabei vom Mexikaner Arturo Chacón-Cruz mit apartem Timbre und schönen Höhen. Den Sopranpart übernahm mit stählerner Kraft die ausgezeichnete Saioa Hernández. Jordi Bernàcer gab am Pult des tapferen Bühnenorchesters der Wiener Staatsoper den versierten Zarzuela-Kapellmeister. Ein herzlichster Abschied, wohl mit Ausblick auf weitere. Denn, so die Botschaft: „Das kann nicht sein!“


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