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Leitartikel zur Impfpflicht: Mit Tabus in der vierten Welle

Die Politik schwindelt sich seit Monaten um eine Impfpflicht herum, selbst im Gesundheits- und Bildungsbereich mit vielen sensiblen Kontakten. Und wer gegen Beschränkungen für Geimpfte ist, dem wird Ignoranz gegenüber Experten vorgeworfen.

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Peter Nindler

Leitartikel

Von Peter Nindler

Die Corona-Pandemie ist nicht teilbar: weder in eine der Ungeimpften noch in ein Szenario „geimpft, genesen oder gestorben“. So werden wir die Bewältigung der Gesundheitskrise nicht schaffen, weil politisch angelernte Reflexe und Tabus mehr denn je die vierte Welle prägen. „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, steht auf der Grabplatte der Kärntner Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. In Wahrheit sagt Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) derzeit das, was sich viele Geimpfte denken: Warum soll es wieder Einschränkungen für uns geben?

Ohne Tausender oder Lotterie haben sie sich in den vergangenen Monaten impfen lassen, doch offenbar wird inmitten der vierten Corona-Welle öffentlich mehr über monetäre Impfanreize geredet als über Tabus. Wobei der von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) ventilierte harte Lockdown derzeit wohl die einfachste Antwort auf die herausfordernden Infektionszahlen wäre. Weil von Experten gestützt. Darf man dagegen sein, darf man wie Schallenberg gegen das öffentliche Herbeisehnen eines vierten Lockdowns sein? Ja, man darf, indem endlich Tabus offen angesprochen werden.


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