Lockdown für Ungeimpfte trifft Tirols Handel hart

Der Handel bangt um das Weihnachtsgeschäft. Wegfall der Ungeimpften lässt die Ausgaben im Schnitt um 30 Mio. Euro pro Tag sinken.

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Roman Eberharter, Simon Franzoi, Katrin Brugger (WK Tirol) und Wolfgang Ziniel (v. l.) gaben einen Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft.
© WK Tirol

Innsbruck, Wien – Rasant steigende Corona-Zahlen, ein Lockdown für Ungeimpfte und ein mögliches erneutes Zusperren für alle lässt den Handel um das Weihnachtsgeschäft zittern. Nicht zuletzt deshalb, weil immer mehr Experten sich für einen Lockdown für alle aussprechen.

„Das wäre für uns natürlich eine Katastrophe“, meinte Simon Franzoi, WK-Spartengeschäftsführer Handel, bei der gestrigen Präsentation der jährlichen Weihnachtsumfrage durch die KMU Austria. Zwar zeigen die erhobenen Zahlen, dass es gegenüber 2020 aufwärts gehen könnte, doch bereits der Lockdown für Ungeimpfte dürfte den Tiroler Einzelhandel rund 20 % Umsatz gegenüber 2019 kosten, so Wolfgang Ziniel von der KMU Austria. Prognosen für das Weihnachtsgeschäft seien derzeit nicht ganz einfach, wie Ziniel betont. Laut gestern veröffentlichten Berechnungen der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) lässt der Wegfall der ungeimpften Kunden die Ausgaben österreichweit im Schnitt um 30 Mio. Euro pro Tag sinken. „Wir tragen jede Maßnahme mit, die hilft, die Pandemie einzudämmen. Den Lockdown für Ungeimpfte sehen wir aber kritisch“, sagt Franzoi. Schließlich würden die Zahlen der AGES zeigen, dass in den letzten Wochen nur 0,1 bis 0,4 % der Infektionen auf den Handel zurückzuführen seien.

Insgesamt zeigt die Erhebung, dass es zwar viel Verunsicherung gebe, dennoch würden heuer in Tirol mehr Weihnachtsgeschenke eingekauft und es werde auch mehr Geld dafür ausgegeben: 90 % planen, Präsente zu besorgen. „Pro Käufer ist mit Ausgaben von im Schnitt 340 Euro zu rechnen, ein Plus von 20 % gegenüber 2020“, so Ziniel. Zudem sei ein verstärkter Trend hin zu mehr Regionalität festzustellen. Auch Katrin Brugger, Sprecherin des Sportartikelhandels, unterstreicht die Bedeutung der regionalen Kaufentscheidung: „Wer vor Ort einkauft, sichert Arbeits- und Ausbildungsplätze und trägt wesentlich zur Erhaltung von regionaler Infrastruktur bei.“ Nichtsdestotrotz wird auch heuer wieder eines von sechs Geschenken online gekauft werden.

Die derzeitigen Lieferengpässe dürften der Grund sein, warum die Zahl der so genannten „Late Shopper“ heuer deutlich geringer ist. „Es braucht aber niemand Angst zu haben, dass er vor leeren Regalen steht“, betont Roman Eberharter, Sprecher des Tiroler Elektro- und Einrichtungsfachhandels.

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Generell läuft seit Beginn der Krise die Entwicklung im Handel konträr. Während Supermärkte nie geschlossen hatten und Home-Office sowie geschlossene Restaurants und Kantinen den Lebensmittelhändlern sogar mehr Geschäft bescherten, mussten Mode- oder Schuhgeschäfte lange zusperren und verkauften Corona-bedingt auch weniger, wenn sie offen hatten. Auch jetzt seien die modischen Branchen wieder am stärksten betroffen und deren Umsätze würden sich bis dato noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau 2019 bewegen, so die JKU-Experten.


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