Tony Oursler in Bregenz: Beobachtet beim Untergehen im Bilderstrom

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Tony Ourslers Installation „Specular“ ist visuelles Erlebnis.
© G.R.Wett

Dornbirn – Vor ziemlich genau 12 Jahren zeigte das Kunsthaus Bregenz Tony Ourslers Multimediaprojekt „Lock 2, 4, 6“, das nicht nur im Inneren eine begehbare Traumwelt inszenierte, sondern bis nach draußen drängte: Auf der opaken Glasfläche des Zumthor-Baus huschten in den Abendstunden die surrealen Bildfragmente des US-amerikanischen Pioniers der Multimediakunst. Während er in Bregenz sorgfältig auf die Architektur reagierte, machte Oursler für sein aktuelles Projekt in Bregenz kurzen Prozess. Die Schotten wurden dicht gemacht, die ehemalige Industriehalle wurde kurzum zur black box.

Gezeigt wird darin derzeit eine Weiterentwicklung von Ourslers Serie „Obscura“, die sich seit 1996 mit popkulturellen Sehtrends und deren BetrachterInnen auseinandersetzt. Jenes Publikum betritt in Bregenz „Specular“, einen finsteren Raum, beobachtet von unzähligen Augen, die auf riesige Kugeln projiziert in der Dunkelheit zu schweben scheinen. Man kann die Installation umwandern, vor den Blicken zu flüchten, ist allerdings kaum möglich.

Öffnungszeiten

Kunstraum Dornbirn. Jahngasse 9, Dornbirn; bis 21. November, täglich von 10–18 Uhr.

Erst nach einiger Zeit fällt auf, dass die Augen nicht nur das Publikum, sondern auch internationale Schlagzeilen, Pressebilder, Infografiken und noch viel mehr im Blick haben. Es ist der Bilderstrom der Gegenwart, der sich spiegelt und in dem so manches Auge unterzugehen scheint. Und das beobachtende Auge wird also ein ebenso beobachtetes Objekt.

Unsere digitalisiertes Heute wird bei Oursler in ein beeindruckend schönes Bild gepackt. Eine Installation, in der Multimedia mit Theater und Massenmedien zusammenwachsen. (bunt)

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