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Lage in Tirols Spitälern: „Wir weinen und sind wirklich verzweifelt“

Der Leiter der Inneren Medizin in Innsbruck, Herbert Tilg, über die aktuelle Lage im Gesundheitsbereich.

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Ärzte und Pflegepersonal in den Tiroler Kliniken arbeiten seit Monaten am Limit.
© zeitungsfoto.at

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Die Situation ist dramatisch. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, bringt es Herbert Tilg auf den Punkt. Der Direktor der Inneren Medizin I an der Med-Uni Innsbruck zeichnet ein düsteres Bild von den Zuständen im klinischen Bereich am vorläufigen Höhepunkt der Pandemie. „Als Leiter einer großen Klinik inklusive internistischer Notaufnahme und Intensivstation bin ich mit der momentanen Situation sehr vertraut: Pflegepersonal und Ärzte sind nach so langer Zeit ausgepowert. Die Realität ist, dass wir die normale Medizin zurückfahren müssen, weil wir es sonst nicht mehr schaffen. Internistische Intensivpatienten werden wieder am ganzen Klinikum verteilt, weil wir an der Inneren Medizin wieder eine reine Covid-Intensivstation haben.“

Alle würden brutal unter Druck stehen. Und es werde jede Woche und jeden Tag noch schwieriger. „Wir wissen ja, was auf uns zukommt“, meint Tilg angesichts der täglich neuen Rekordzahlen an Neuinfektionen. „Wir ,weinen‘ in der Klinik wegen dieser ganzen Lage und sind wirklich verzweifelt“, will Tilg seine Schilderungen als Aufschrei der Kliniken verstanden wissen, der von den politisch Verantwortlichen, aber auch von der Bevölkerung gehört und ernst genommen werden soll. „Ich erwarte mir von der Politik, dass sie unseren Aufschrei hört. Ohne Kontaktreduktion werden wir die Welle nicht brechen“, fordert der Mediziner einen harten Lockdown. „In Kombination mit einer Impfpflicht für alle.“


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