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Verantwortung und Kontrolle

Die AMA-Kontrolle ist ein Stützpfeiler der Verantwortung und nicht Ausdruck des Misstrauens. Oder: Wieso das Leben ein Hund ist und was das mit Schweinen zu tun hat.

Bis 2030 sollen 1 Mio. Mastschweine aus biologischer Haltung oder den freiwilligen „Mehr Tierwohl“-Modulen kommen. Das bringt Verbesserungen beim Platzangebot und bei der Beschaffenheit des Bodens.
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Teil 3: Alles unter Kontrolle

Das Schwein ist für die heimische Küche identitätsstiftend. Von entsprechend großer Bedeutung ist die Qualität des Schweinefleisches – und sind somit natürlich auch Fragen rund um die Tierhaltung. Da gibt es eine Verantwortung seitens der Bauern und der Veredler, die sich mit der Erwartungshaltung der KonsumentInnen weitgehend deckt. Demnach schaut das Procedere in etwa so aus: Das Tier ist auf einem hiesigen Bauernhof geboren, unter besten Haltungsbedingungen aufgewachsen, hat viel hofeigenes Futter gefressen und wurde schließlich in räumlicher Nähe möglichst stressarm geschlachtet. Vom Lebensverlauf bis zur respektvollen Be- und Verarbeitung – alles nach klar festgeschriebenen, nachvollziehbaren Standards. Mit der Schweinefleischproduktion im AMA-Gütesiegel ist das gegeben – und es wird auch genau kontrolliert. Beispielsweise von AMA-Kontrollorin Sandra Ziegler.

Die Verantwortung

Verantwortung ist also das zentrale Wort beim Thema Tierhaltung. Die Verantwortung wird auch dadurch nicht geringer, dass die Tiere eines Schweinebauern existieren, um geschlachtet zu werden. Solange sie leben, sind sie denkende und fühlende Lebewesen, die ein Recht auf ein Leben ohne Schmerzen, ohne Leid und Angst haben. Das sieht, abgesehen von ein paar sehr zweifelhaften Individuen, vermutlich jeder Mensch so. Das sieht der Gesetzgeber so, und das sieht ganz besonders die AMA so.

Das Leben

Grundlage dessen, was es im Alltag bedeutet, die Verantwortung als Nutztierhalter wahrzunehmen, sind die jeweiligen AMA-Richtlinien. Rund zwei Dutzend gibt es davon. Allein fünf beschäftigen sich mit dem Thema Schwein(efleisch). Vom Anbau der Futtermittel für die Tiere bis zum Verkauf der Ware in der Fleischtheke ist ganz klar geregelt, was jeweils zu tun und zu lassen ist. Das betrifft unter anderem gesicherte Herkunft, Tiergesundheit, Tierwohl, Tiertransport, Schlachtung, Hygiene, Kühlung, Kennzeichnung, um einige der wichtigsten Aspekte zu nennen.

Die AMA-Konrtollorin Sandra Ziegler misst und dokumentiert die Lichtverhältnisse im Stall, das Klima und die Größe der einzelnen Buchten.
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Das alles muss natürlich kontrolliert werden. Denn ohne Kontrolle sind Regeln leider nicht mehr als unverbindliche Absichtserklärungen. Nicht weil der Mensch per se so schlecht ist, sondern weil’s Leben, auf „guat Wienerisch“, „a Hund ist“. So entsetzlich jeder Fall von Tierleid ist, so wichtig ist es auch zu wissen, dass in den allermeisten Fällen nicht Sadismus oder sonst eine böse Absicht dahintersteht, sondern menschliche Schicksale wie Unfälle oder Krankheit damit verbunden sind. Wie beispielsweise bei einem Bauern, der nach dem plötzlichen Tod seiner Frau alleine mit dem Hof überfordert ist und die Tiere vernachlässigt. Zum Glück kommt so etwas nur sehr selten vor, aber es kommt vor.

Die Kontrolle

AMA-Kontrollorin Sandra Ziegler sorgt dafür, dass es möglichst nicht vorkommt. Sie ist mit Luxmeter, Aero-meter und Maßband im Schweinestall unterwegs, um Lichtverhältnisse, Stallklima, Buchtengröße und Auftrittsbreite des perforierten Bodens zu messen.

Das Tierwohl ist für die AMA-Kontrollorin besonders wichtig: „Die Tierhaltung ist das Entscheidende: dass es jedem Tier gut geht, dass die Versorgung passt.“ Darum geht sie im Stall sorgsam jede einzelne Bucht ab und schaut sich jedes Schwein an. Auf so einen Besuch vom Kontrollor müssen AMA-Betriebe immer gefasst sein. Angekündigt wird dieser erst 24 Stunden im Voraus. So ist gesichert, dass der Landwirt zum vereinbarten Zeitpunkt vor Ort ist und sich dennoch alles im Normalzustand befindet – für etwaige Manipulationen bleibt so keine Zeit.

Nach dem Stallrundgang ist Bürokratie notwendig. Rezepturen der Futtermischung, Viehverkehrsscheine, Nachweise der Tierarzt-Kontrollen. Ein Punkt nach dem anderen wird akribisch angeschaut und abgehakt.

„Die Dokumentation ist wichtig für die Nachvollziehbarkeit“, betont Sandra Ziegler. So werden bei der Kontrolle unter anderem der Bezug der Futtermittel aus dem Qualitätssicherungsprogramm pastus+, die Herkunft der Ferkel und auch die Einhaltung der doppelten Wartezeit bei Medikamentenverabreichung überprüft.

Das Werkzeug

Auch deshalb ist jede einzelne der 15.000 Kontrollen, die im Auftrag der AMA jährlich durchgeführt werden, so wichtig. Kontrollen weisen auf Ungereimtheiten hin. Ist ein unverschlossener Tier-Medikamentenschrank Hinweis auf einen unsachgemäßen Umgang mit Tiergesundheit? Bedeutet ein schmutziger Stall mangelnde Fürsorge für die Tiere? Die Kontrollen beantworten die durch sie aufgeworfenen Fragen auch. Kontrollen schützen die Tiere, die ehrlichen Bauern und die Verbraucher.

Kontrollen sind das Werkzeug, mit dem alle Beteiligten entlang der Produktionskette ihrer Verantwortung gerecht werden können. Denn Menschen machen Fehler, auch erfahrene Profis. Es geht darum, ihnen dabei zu helfen, diese Fehler zu erkennen, um sie künftig zu vermeiden.

Weiß man all das, steht es sich gleich ganz anders am Herd. Nämlich mit dem guten Gefühl, dass alles, was da so einladend vor sich hin brutzelt, kontrollierte, heimische Qualitätsprodukte sind.

Infos: www.amainfo.at

Laborkontrollen garantieren die Einhaltung der AMA-Standards.
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Wichtige Kontrollpunkte in der Schweinehaltung

• Ausschließlicher Einsatz zertifizierter Futtermittel

• Ferkelkastration nur unter Einsatz von Schmerzmitteln erlaubt

• Beschäftigungsmaterial muss zur Verfügung stehen

• Einhaltung der Bereitstellung der vorgeschriebenen Mindestfläche pro Tier

• Verpflichtende Teilnahme beim Tiergesundheitsdienst

• Arzneimittel dürfen zu keinem präventiven oder dauerhaft therapeutischen Zweck eingesetzt werden (Einsatzverbot antibiotischer Leistungsförderer!)

Nachgefragt: Für alle, die mehr wollen

Für alle, die mehr wollen

Viele Landwirte leisten mehr, als Gesetz und AMA-Gütesiegel im Basismodul fordern – sie achten auf Futter aus der Gegend oder bieten eine besonders artgerechte Haltung. Darum gibt es bei der AMA freiwillige Zusatzmodule, die diese Besonderheiten ins Rampenlicht stellen. Ein Überblick:

Regionale Herkunft. Ziel dieses Moduls ist es, die regionale Kreislaufwirtschaft zu stärken.

Besondere Fütterung. Hier gibt es zwei Ansätze: Bei der gentechnikfreien Fütterung geht es darum, vom Stall bis ins Regal gentechnikfreie Lebensmittel herzustellen. Und die Fütterung mit ausschließlich europäischen Futtermitteln setzt beispielsweise auf europäisches Soja.

Besondere Haltungsformen. Bei diesem Modul ist das Ziel, die artgerechte Schweinehaltung zu fördern und zum Beispiel die Freilandhaltung zu stärken. Mehr Tierwohl. Mit diesem Modul bekommen die Tiere ein wesentlich höheres Platzangebot – 60 % mehr. Ab 1.1.2022 wird es ein zweites Mehr-Tierwohl-Modul mit 100 % mehr Platz geben.


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