50-Jährige starb nach Messerattacke in Innsbruck: Ehemann fühlte sich „provoziert"

Der Ehemann (59) attackierte seine Frau Freitagvormittag mit einem Messer und fügte ihr dabei tödliche Verletzungen zu. Reanimationsversuche blieben erfolglos.

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In dieser Wohnanlage kam es zu dem Gewaltverbrechen.
© ZEITUNGSFOTO.AT/DANIEL LIEBL

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Sein Nachbar sagt, er habe seine Frau getötet: Das war der Inhalt eines Notrufs, mit dem ein Innsbrucker am Freitag gegen 9.30 Uhr einen Polizeieinsatz auslöste. Minuten später trafen Streifenbeamte am angeblichen Tatort, einem Mehrparteienhaus in der Dr.-Stumpf-Straße im Westen von Innsbruck, ein. In der Wohnung eines 59-jährigen Serben stießen die Polizisten auf eine bereits leblose Frau.

Sanitäter des Roten Kreuzes versuchten, die aus Albanien stammende 50-Jährige wiederzubeleben. „Aber ohne Erfolg“, erklärt Katja Tersch, Leiterin des Landeskriminalamtes: „Der ebenfalls in der Wohnung anwesende Ehemann ließ sich widerstandslos festnehmen.“ Alkohol bzw. Drogen dürften nicht im Spiel gewesen sein – der 59-Jährige machte einen nüchternen Eindruck.

📽 Video | Femizid in Innsbruck: Frau starb bei Messerattacke

Wie die ersten Ermittlungen ergaben, ist die Frau mit einem Küchenmesser erstochen worden. Bei der Einvernahme in der Mittagszeit erklärte der Beschuldigte, dass es in den frühen Morgenstunden zu einem heftigen Ehestreit gekommen sei. „Der Mann gibt an, dass er sich provoziert gefühlt habe“, sagt Tersch. Und das war letztendlich das Todesurteil für seine Frau. Was den Streit ausgelöst hatte, erklärte der 59-Jährige bei der ersten Befragung nicht. „Aber es folgen ja noch weitere Einvernahmen“, so die Leiterin des Landeskriminalamtes.

Bei der Obduktion an der Innsbrucker Gerichtsmedizin wurden die ersten Ermittlungsergebnisse bestätigt. Todesursache waren tatsächlich mehrere Stiche mit einem Küchenmesser. „Der Angriff erfolgte in den Rücken des Opfers“, nennt Tersch Details: „Weiters wurden an den Armen der Frau Verletzungen festgestellt.“ Was bedeutet, dass die Albanerin noch versucht hat, die Attacken abzuwehren.

Der genaue Tatzeitpunkt war zunächst unklar: „Wir gehen davon aus, dass der tödliche Angriff in den frühen Morgenstunden erfolgte“, sagt die LKA-Chefin. Was dann geschah, ist offen. Fest steht, dass der Verdächtige etwa drei Stunden nach der Messerattacke seinen Nachbarn aufsuchte und ihm von der Gewalttat erzählte. Der 59-Jährige war nicht einschlägig amtsbekannt, Polizeieinsätze gab es beim Paar bisher nicht.

27. Femizid in Österreich in diesem Jahr

Die Gewalttat ist heuer der erste mutmaßliche Frauenmord in Tirol, in Österreich aber bereits der 27. Femizid. Für den Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

„Jeder Frauenmord ist einer zu viel", erklärten Tirols Frauenlandesrätin Gabriele Fischer und Nationalratsabgeordnete und Familiensprecherin Barbara Neßler (beide Grüne). Dass Österreich in der Statistik zu den Frauenmorden in der EU an der traurigen Spitze liege, zeige, „dass wir ein Riesenproblem mit männlicher Gewalt haben und dass wir auf allen Ebenen dagegenwirken müssen".

„Wie bei Corona schaut die Regierung auch bei Gewalt gegen Frauen schon viel zu lange zu", kritisierte NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter. Die Lage sei längst dramatisch, doch tue die Regierung nichts Konkretes dagegen.


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