Zehntausende bei Protesten in Wien, Demo in Innsbruck friedlich

In Wien gingen gestern rund 40.000 Menschen auf die Straße, es gab zehn Festnahmen und zahlreiche Anzeigen. Eine Demo in Innsbruck blieb friedlich.

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Kurz vor dem Inkrafttreten des bundesweiten Lockdowns haben Gegner der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu Demonstrationen aufgerufen.
© APA/FLORIAN WIESER

Wien, Innsbruck –Es war die zu erwartende Massendemonstration, die da am Samstag weitgehend die Wiener Innenstadt lahmlegte. Querdenker, Impfgegner, Rechtsextreme und der FPÖ nahestehende Kritiker der Bundesregierung demonstrierten gemeinsam gegen die Corona-Maßnahmen. „Wir sind das Volk“, skandierten sie immer wieder in Sprechchören. Die Polizei sprach von 35.000 Menschen, die großteils friedlich über die Ringstraße marschierten, die FPÖ zählte gar 100.000 Teilnehmer.

Pressestatement zu Corona-Demos geplant

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und der Wiener Landespolizeivizepräsident Franz Eigner werden heute, Sonntag, um 10.30 Uhr ein Pressestatement betreffend der Versammlungen am Samstag abgeben.

📽️ Video | Tränengaseinsatz bei Demo in Wien

Die Stimmung war aber zwischendurch immer wieder sehr aggressiv. Im Vorfeld wurde in sozialen Medien von „Bürgerkrieg“ geschrieben, FPÖ-Chef Herbert Kickl, er war selbst in Corona-Quarantäne, sprach gar von „Diktatur“ der Regierung. Bei einer Kundgebung auf dem Platz der Menschenrechte vor dem Museumsquartier wurde Kickl per Video zugeschaltet.

Die Kontrollen der Polizei verliefen großteils friedlich.
© APA/FLORIAN WIESER

Zehn Demonstranten wurden bis zum späten Nachmittag festgenommen, einer von ihnen versuchte einem Polizisten die Waffe zu entreißen. Außerdem gab es mindestens zehn Anzeigen nach dem NS-Verbotsgesetz. So trugen mehrere Aktivisten an den Judenstern angelehnte gelbe Sterne mit der Aufschrift „ungeimpft“, auch wurden Plakate mit dem Wortlaut „So begann es 1938“ oder „Schallenberg = Mengele“ hochgehalten. Mindestens drei Personen leisteten Widerstand gegen die Staatsgewalt, am Ring wurden öfters Rauchbomben gezündet sowie Beamte und der freie Journalist Michael Bonvalot mit Flaschen und Dosen beworfen. Bonvalot berichtete auf Twitter von Angriffen mit Pfefferspray und Wurfgeschossen durch extreme Rechte, er war schon im Vorfeld in sozialen Medien mit körperlicher Gewalt bedroht worden. Unter die Demonstranten mischten sich auch der verurteilte Neonazi Gottfried Küssel, Identitären-Chef Martin Sellner sowie rechte Hooligans. Sehr viele Teilnehmer waren auch aus den Bundesländern angereist, auch Tiroler, die mit der Tirol-Fahne durch Wien zogen.

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1300 Polizisten begleiteten die Großdemonstration, über der Innenstadt flogen auch Hubschrauber der Exekutive. Mittels Lautsprecherdurchsage wies die Polizei mehrfach auf die Maskenpflicht hin. Demonstranten mit Masken waren allerdings die Ausnahme.

In Innsbruck versammelten sich rund 3000 Menschen am Landhausplatz.
© Böhm/TT

Durchwegs friedlich verlief die Demonstration in Innsbruck. Zentrales Anliegen auf den Plakaten, Tafeln und Bannern: Nein zur Impfpflicht, Widerstand und Freiheit. Laut Angaben der Polizei hatten sich rund 3000 Teilnehmer um 15 Uhr am Landhausplatz versammelt. Ausschreitungen oder gröbere Verstöße gab es nicht, lediglich die ein oder andere Anzeige gegen Maskenverweigerer wurde erstattet, so Innsbrucks Stadtpolizeikommandant Romed Giner. Die Veranstalter hatten zu Beginn der Demonstration auf die Maskenpflicht hingewiesen, die Polizei kontrollierte zumindest während der Kundgebung am Landhausplatz deren Einhaltung.

In Wien gingen rund 40.000 Menschen auf die Straße. Die Polizei kontrollierte und erstattete zahlreiche Anzeigen.
© APA/Wieser

Gegen 15.15 Uhr setzte sich der Demonstrationszug unter dem Lärm von Trillerpfeifen, Ratschen, Trommeln und Topfdeckeln in Richtung Museumstraße in Bewegung, um über Adolf-Pichler-Platz, Anichstraße und Maria-Theresien-Straße wieder zurück zum Landhausplatz zu ziehen. Applaus, aber auch kritische Blicke und Wortmeldungen gab es dabei von unbeteiligten Passanten und Schaulustigen.

📽️ Video | Tausende Demonstranten in Wiener Innenstadt

Am Ende der Veranstaltung ließen die Organisatoren durchblicken, die Demonstration künftig jeden Samstag abhalten zu wollen. (misp, np)


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