Lockdown: Schulen fordern Autonomie bei Entscheidung zu Schließungen

Die Entscheidung, Schulen während des Lockdowns prinzipiell offen zu halten, sorgt nach wie vor für Verwirrung. Direktoren- und Lehrervertreter forden jetzt Autonomie im Bezug auf Schließungen von Klassen und Umstellung auf Distance Learning.

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Schulen haben in der Lockdownphase prinzipiell weiter Präsenzunterricht.
© Fleig / Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de

Wien – Direktoren- und Lehrervertreter wollen die Möglichkeit bekommen, direkt am Schulstandort über das Schließen von Klassen bzw. die Umstellung auf Distance Learning zu entscheiden. Unterdessen zeigen Elternbriefe von Schulen, dass diese etwa mit Schularbeiten in der geplanten Zeit des Lockdown unterschiedlich umgehen – gleichzeitig lassen sie darauf schließen, dass Eltern mit der Entscheidung, ihr Kind in die Schule zu schicken oder nicht, oft überfordert sind.

Seit heute, Montag, gilt bis 12. Dezember erneut ein Lockdown (OÖ: 17. Dezember). Ausgenommen sind unter anderem die Schulen. Dort gilt an und für sich eine klare Regelung: Der Unterricht findet (mit Masken- und Coronatestpflicht) stundenplanmäßig statt – wer allerdings nicht kommen will, muss das nicht. Dafür ist lediglich eine Entschuldigung durch die Eltern nötig.

📽️ Video | Lage in den Schulen

Vorgaben des Bildungsministeriums "dehnbar"

Die Implikationen haben es aber in sich – unter anderem stellen sich Fragen wie der Umgang mit Schularbeiten und Tests oder das Mitkommen bei der Stoffvermittlung für die Daheimgebliebenen. Hier sind die Vorgaben des Bildungsministeriums dehnbar. So sollen etwa Tests und Schularbeiten "nach Möglichkeit nicht stattfinden". Die Vermittlung von Unterrichtsinhalten soll "den Gegebenheiten angepasst" werden. Wer nicht am Präsenzunterricht teilnimmt, ist mit "Lern- und Übungsaufgaben auszustatten", die selbst erarbeitet werden müssen – wobei die Lehrer "wenn machbar" für Fragen zur Verfügung stehen.

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Das dürfte zu einem wahren Mail- und Anrufbombardement bei den Direktoren geführt haben, wie diverse Elternbriefe nahelegen. Ein Schulleiter spricht etwa darin von einer "unzumutbaren Entscheidung" für die Eltern und empfiehlt "vorerst" die Teilnahme am Präsenzunterricht, andere vermeiden dezidiert eine von den Eltern eingeforderte irgendwie geartete Empfehlung.

An der einen Schule sollen Schularbeiten zumindest in den ersten Tagen mit den entsprechenden Schutzbestimmungen durchgeführt werden, da sich die Kinder ja schon darauf vorbereitet hätten. Andere sagen diese ab, wiederum andere machen die Entscheidung klassenweise von der Rückmeldung der Eltern bzw. der geplanten Anwesenheit der Schüler abhängig.

Rund 70 Prozent in der Schule

Rund 70 Prozent der Kinder sind nach vorläufigen Zahlen am ersten Tag des österreichweiten Lockdown in die Schule gekommen. Laut Bildungsministerium besuchten in sieben Bundesländern in etwa drei Viertel der Kinder die Schule, in Salzburg waren es dagegen nur rund 50 Prozent und in Oberösterreich zwischen 60 und 70 Prozent. Tendenziell kamen an den Volksschulen in manchen Bundesländern weniger Kinder, an den Sekundarstufen waren überdurchschnittlich viele Kinder anwesend.

Dabei handelt es sich allerdings erst um erste Zahlen aus den Bildungsdirektionen. Die Zahlen schwanken darüber hinaus je nach Schultyp und Standort. Der Montag sei außerdem noch ein Übergangstag, an dem viele Eltern noch nicht endgültig entschieden hätten, hieß es aus dem Ministerium gegenüber der APA.

In den bisherigen Lockdowns war es bei den Schultypen anders. Damals kamen an den Volksschulen deutlich mehr in die Klassen als an den Unter- und Oberstufen. Dass es diesmal eher umgekehrt ist, dürfte an der für ältere Schüler schon verfügbaren Impfung liegen.

An den Schulen gilt ab heute durchgehend Maskenpflicht - an den Volksschulen, Mittelschulen, AHS-Unterstufen und Sonderschulen müssen Schüler mindestens einen Mund-Nasen-Schutz tragen, alle anderen Schüler sowie alle Lehrer brauchen eine FFP2-Maske. Abgenommen werden darf die jeweilige Maske nur während der Maskenpausen beim Lüften. Außerdem wird dreimal pro Woche getestet - mindestens einmal per PCR-Test.

"Es zeigt sich, dass die Bevölkerung sehr verantwortungsvoll mit unserem Modell umgeht", meinte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) in einer der APA übermittelten Stellungnahme. "In Salzburg und Oberösterreich, den Ländern, die sehr betroffen sind, kommen deutlich weniger Schüler als in den anderen Bundesländern. Insgesamt haben die Eltern Vertrauen in unser System und sind froh, dass die Kinder getestet werden."

Streamen möglich, aber nicht verpflichtend

Konkretisiert werden von den meisten Schulen die "Lern- und Arbeitspakete": Dabei handelt es sich vor allem um die Information über die in dieser Zeit geplanten bzw. durchgenommenen Kapitel bzw. Beispiele in den Büchern sowie die Hausübungen. Lehrer können ihren Unterricht gleichzeitig streamen, sind dazu aber nicht verpflichtet. Eines machen praktisch alle Schulen klar: Da die Vorgabe derzeit die Abhaltung des normalen Präsenzunterrichts vorsieht, werden dafür vorerst auch alle Lehrerinnen und Lehrer gebraucht – insofern sei Distance Learning für die Daheimgebliebenen grundsätzlich nicht möglich.

Die Christgewerkschafter in der AHS-Lehrervertretung, die mit Herbert Weiß auch den Vorsitzenden der AHS-Lehrergewerkschaft stellen, befürworten in einer Aussendung das Offenhalten der Schulen. Gleichzeitig verlangen sie aber auch, dass Entscheidungen über das Schließen von Klassen bzw. die Umstellung auf Distance Learning auch auf Schulebene möglich sein müssen. Ähnliches hatten am Freitag bereits die AHS-Direktoren gefordert. (APA)

📽️ Video | Paul Haschka (Elternverein) zu Lockdown-Regeln für Schulen:


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