"Raise the Roof": Mit dem Rock-Opa ins Heartland

Robert Plant und Alison Krauss machen’s nochmal: „Raise the Roof“ ist ihre zweite LP.

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Mit Led Zeppelin war 1980 Schluss. 2006 tat sich Robert Plant mit Bluegrass-Ikone Alison Krauss zusammen. Jetzt kommt ihre 2. Platte.
© McClister

Innsbruck – Der Retro-Revivals hatte man zuletzt ja eigentlich genug. Im Fernsehen! Wetten, dass das auch in der Musik nervt? Sting, Deep Purple, Dave Gahan. All diese einst so großen Bühnentiere wollen’s noch mal wissen – und das sind nur die Neuerscheinungen dieser und letzter Woche. Dabei gestaltete sich Gahans musikalische Privatführung durch seine Idol-Galerie in „Imposter“ noch als souverän. Am besten bewältigt das „Comeback“ aber Robert Plant. Led Zeppelin hat er längst hinter sich gelassen und den Jungen (brillant von Greta van Fleet) überlassen. Er brilliert derweil an der Seite von Alison Krauss.

Nicht zum ersten Mal. Ihre erste Zusammenarbeit „Raising Sand“ war 2006 ein Überraschungserfolg. Die Platte erhielt fünf Grammys, u. a. jenen für das beste Album. Und nicht wegen Plant.

Tonangebend ist in dieser Kooperation ein glasklarer Sopran von Krauss. Die Bluegrass-Sängerin ist in den USA ein Star. Ihren ersten Grammy erhielt sie mit 19. Und bis heute hat nur Beyoncé mehr Trophäen als sie. Sie braucht den britischen Rockopa also nicht, um erfolgreich zu sein. Dennoch: Der Knarz seiner Stimme hat sich als perfekter Gegenpart bewiesen.

Wie schon bei „Raising Sand“ nimmt sich das ungleiche Duo auf dem neuen „Raise the Roof“ weitestgehend unbekannte Country-Nummern zur Brust. Um sie neu zu arrangieren, zu verwandeln. Nicht modern, aber zeitlos. Zum atmosphärischen Intro wird etwa „Quattro (World Drifts In)“ – im Original von der US-Band Calexico. Ein daunenweiches Piano schwebt da über schrammelnden Gitarren. Zu „Trouble with My Lover“ ließe es sich bestimmt exzellent durch die Wüste reiten, richtig Drive hat „Can’t Let Go“ und irgendwie auch das einzig selbstkomponierte „High and Lonesome“. Im Gegensatz zum schmalzigen „Going Where the Lonely Go“. Klingt schon alles schwer nach US-amerikanischem Heartland.

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Am spannendsten wird’s dort, wo sich die beiden stimmlich batteln, um am Schluss doch ineinanderzugreifen (z. B. „It Don’t Bother Me“, „Go Your Way“). Da funkelt der Zauber vom Vorgänger durch. „Raise the Roof“ ist ein unscheinbarer, aber würdiger Nachfolger. (bunt)

Country Robert Plant, Alison Krauss. Raise the Roof. Warner Music


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