„Digitaler Euro wird Bargeld nicht ersetzen“

Der digitale Euro könnte Online-Zahlungen sicherer machen. Anonyme Geldüberweisungen soll es auch digital nicht geben.

  • Artikel
  • Diskussion
Die Europäische Zentralbank (EZB) will bis zum Jahr 2023 entscheiden, ob in der EU ein digitaler Euro eingeführt wird.
© Fotohinweis

Wien – In der EU wird angesichts der steigenden Beliebtheit digitaler Bezahlformen intensiv über die Einführung eines digitalen Euro nachgedacht. Dieser könnte das digitale Bezahlen einfacher und sicherer machen, erklärte Peter Kerstens von der EU-Kommission bei einem Online-Pressegespräch der Zahlungsdiensteplattform P19.

1 Digitaler Euro statt Bargeld? „Der digitale Euro wird das Bezahlen mit Bargeld nicht ersetzen“, sagte Kerstens. Im Geschäft werden die Menschen weiter entscheiden können, ob sie bar oder digital zahlen wollen. Das bestätigte auch Petia Niederländer von der Nationalbank (OeNB). „Bargeld ist unser Premiumprodukt.“ Es würden zwar immer mehr Menschen digital bezahlen, zugleich steige aber auch der Bargeldumlauf kontinuierlich, weil Bargeld als Aufbewahrungsmittel wichtig sei. Solange es Nachfrage nach Bargeld gibt, werde die EZB dieses nicht abschaffen, sagte Kerstens.

Die Nachfrage der Konsumenten würde demnach auch darüber bestimmen, wie viel der Geldmenge von der EZB künftig als Münzen und Scheine oder digital in den Umlauf gebracht wird. Durch eine mögliche Einführung der Digitalwährung werde sich die Geldmenge insgesamt nämlich nicht erhöhen, um die Inflation nicht negativ zu beeinflussen.

2 Sicherheit: „Für Konsumenten wird es, wenn überhaupt, keinen großen Unterschied machen“, ob sie mit einem digitalen Euro, mit Bargeld oder der Bankomatkarte bezahlen, so Kerstens. Allerdings könnte der digitale Euro zusätzliche Sicherheitsaspekte bieten. Geld, das jetzt am Bankkonto liegt, ist juristisch gesehen „Bank-Geld“, wird also von der Bank geführt. Angesichts der strengen Regulierung sei auch dieses „zu 99,99 Prozent“ sicher, betont Kerstens. Aber der digitale Euro würde direkt von der Zentralbank herausgegeben und garantiert und es gebe daher kein mit der Bank verbundenes Risiko mehr. Gegenüber dem immer beliebteren Bezahlen mit den privat ausgegebenen Kryptowährungen werden zudem Stabilitätsaspekte ins Treffen geführt. Kryptowährungen unterliegen nämlich starken Wertschwankungen.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

3 Kosten: Der digitale Euro soll für Konsumenten und Unternehmen keine zusätzlichen Kosten verursachen. Jeder digitale Euro werde seinem Bargeldwert entsprechen, so Kerstens. Allerdings ist noch nicht geklärt, ob und wie Kosten von Banken oder anderen Institutionen für die Vermittlung und Speicherung des Geldes verrechnet werden – vergleichbar mit dem Kontoführungsentgelt.

4 Privatsphäre: Der digitale Euro werde zwar die Privatsphäre der Menschen respektieren, mit anonymen Zahlungen sollte man aber nicht rechnen, denn die neue Ausgabeform des Euro dürfe nicht Geldwäsche oder Steuerhinterziehung ermöglichen, so Kerstens. Die Daten werden bei den Vermittlern liegen, die EZB habe keine Absicht, Kundendaten zu verwalten.

5 Einführung: Ob der digitale Euro überhaupt eingeführt wird, ist noch offen. Eine endgültige Entscheidung soll 2023 fallen. Frühester Start wäre das Jahr 2026. Eine Herausforderung wird zudem sein, die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung für die EU-Digitalwährung zu schaffen: Grundsätzlich müsse eine digitale Währung einfach nutzbar sein, Sicherheit bieten und einen Mehrwert für Kunden bringen, sagte Martin Sprengseis von P19. (ecke)


Kommentieren


Schlagworte