Kurzarbeit erst im Jänner: „Eine Chronologie des Wahnsinns“

Für die meisten Saisonbetriebe greift die Kurzarbeit erst im Jänner, Touristiker fordern Planungssicherheit.

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Am Stubaier Gletscher herrscht eingeschränkter Betrieb.
© Florian Madl

Von Anna Haselwanter

Innsbruck – Die Mitarbeiter sind angereist, der Betrieb soll hochfahren – und dann: Lockdown. „Wie soll ein Unternehmen seine Saisonkräfte bezahlen, wenn es keinen Umsatz hat?“, fragt Alois Rainer, Spartenobmann der Gastronomie. Mitarbeiter müssen vertröstet werden, „das bekommt denselben Geschmack wie im Vorjahr“. Es geht die Angst um, dass die Saison ganz gelaufen ist, wenn vor Weihnachten nicht mehr aufgesperrt wird. Zudem greift die Kurzarbeit erst nach einem voll ausbezahlten Kalendermonat. Das ist bei vielen Saisonbetrieben erst ab Jänner der Fall. Die Wirtschaftskammer „kämpfe deshalb mit Händen und Füßen“ dafür, dass sich das ändert. Und für mehr Planungssicherheit, gleichen die jüngsten Geschehnisse doch einer „Chronologie des Wahnsinns“, sagt Rainer.

Auch die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) fordert 100 Prozent Kurzarbeit ab dem ersten Tag sowie dauerhaft fünf Prozent Umsatzsteuer und 3000 Euro Corona-Prämie. „Wir verlieren Mitarbeiter, wir verlieren Gäste, wir bleiben auf Ware sitzen, wir tragen höhere Kosten und können nicht eine Woche im Voraus planen und werden noch lange an den Folgen der Krise leiden“, sagt ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer.

Die fehlende Planungsmöglichkeit kritisiert auch Beate Rubatscher, Chefin des Pitztaler und Kaunertaler Gletschers: „Experten, Wissenschafter, Virologen und Komplexitätsforscher haben ziemlich genau die Entwicklung des Infektionsgeschehens berechnet“, sagt sie. All das sei eine fundierte Grundlage für die Politik, um Handlungsanweisungen für Bevölkerung und Wirtschaftsbetriebe zu erarbeiten. Stattdessen gebe es kurzfristig verordnete Maßnahmen, die verschiedene Auslegungen zulassen – und Telefone, die nicht mehr stillstehen. „Mitarbeiter wollen wissen, wie es weitergeht, Vermieter wollen wissen, ob sie die anreisenden Gäste noch beherbergen dürfen, und Gäste wollen wissen, unter welchen Bedingungen sie noch kommen dürfen“, schildert Rubatscher. Innerhalb weniger Stunden müssen damit Entscheidungen auf Basis nicht vorhandener Unterlagen getroffen werden. „Ich will wirklich nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen“, ist Rubatscher um Besonnenheit bemüht. Aber mehr Planungssicherheit wäre wirklich gut, „denn den Betrieb so kurzfristig rauf- und runterzufahren, ist nicht lustig“. Das sieht man wohl auch in Gurgl so, dort wurde gestern entschieden, bis zum 12. Dezember eine Betriebspause einzulegen. „Ich bin neugierig, ob der Lockdown dann für Geimpfte wirklich vorbei ist“, sagt Rubatscher, „Aussagen von Experten liegen ja vor.“


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