Handel steht vor Scherbenhaufen: 3,1 Mrd. Euro Umsatzverlust durch Lockdown

Der Lockdown lässt das Weihnachtsgeschäft großteils ausfallen, die Verluste sind neuen Berechnungen zufolge drastischer als im Vorjahr.

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Schmuckgeschäfte machen normalerweise im Dezember doppelt so viel Umsatz wie in einem normalen Monat.
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Wien – Drei Einkaufssamstage im Advent und der 8. Dezember fallen dem Lockdown zum Opfer. Für den stationären Handel ist das so kurz vor Weihnachten eine Katastrophe. Handelsexperten der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) schätzen den Umsatzverlust auf 3,1 Milliarden Euro. Das entspreche der Hälfte der Umsätze aus den Monaten November und Dezember, informieren die Wissenschafter. „Der Handel steht vor einem Scherbenhaufen“, sagt Christoph Teller, der gemeinsam mit Ernst Gitterberger die Berechnungen durchführte.

Denn im Vorjahr startete das Weihnachtsgeschäft am 7. Dezember, heuer verschiebt sich der Lockdown viel mehr in Richtung Heiliger Abend. So berechnen die Handelsexperten für den November einen Umsatzentgang von 1,1 Milliarden Euro plus 1,3 Mrd. Euro bis zum geplanten Ende des Lockdowns für Geimpfte am 12. Dezember. Dazu kommen laut JKU rund 200 Mio. Euro durch die Lockdown-Verlängerung in Oberösterreich und Salzburg bis 17. Dezember sowie weitere rund 500 Mio. Euro, da der Lockdown für Ungeimpfte länger dauert – hier wird eine Verlängerung bis Jahresende angenommen.

Hinzu komme, dass Nachziehkäufe die Umsatzverluste nicht annähernd kompensieren können. Auch die Möglichkeit von Click & Collect (online bestellen, im Geschäft abholen) sei nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“.

Zu erwarten sei eine massive Verschiebung ins Onlinegeschäft. Im Vorjahr erzielte der heimische Onlinehandel während der Lockdowns Zuwächse von nominell mehr als ein Viertel bis zu über ein Drittel. Aber: „Die steigenden Online-Ausgaben können kaum die fehlenden Umsätze der Ladengeschäfte kompensieren“, schildern die Handelsexperten. Denn mehr als 8 von 10 Euro der gesamten einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben (inkl. Lebensmittel) werden im stationären Einzelhandel ausgegeben. Verschärfend kommt hinzu, dass die Online-Shopper in Österreich deutlich mehr als die Hälfte ihrer Internet-Ausgaben (62 Prozent) bei internationalen, ausländischen Anbietern wie Amazon, Zalando & Co. tätigen. Den stationären Handel durch die Online-Alternative vollständig zu ersetzen, sei infrastrukturell und kapazitätsmäßig nicht möglich.

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Manche Branchen wie der Spielwarenhandel und Schmuckgeschäfte, der Buchhandel oder Elektrogeschäfte machen im Dezember sonst doppelt so viel Umsatz wie in einem normalen Monat oder mehr. „Sollte es für Geimpfte eine Ladenöffnung vor und auch nach Heiligabend geben und weiterhin nach Neujahr, ist die Aufholjagd eröffnet. Heuer gilt mehr denn je für den stationären Handel: Die Hoffnung stirbt zuletzt“, so die Handelsexperten. (TT)


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