Djokovic schlägt heute in Innsbruck auf: „Ich unterschätze keinen“

Novak Djokovic ist mit Serbien klarer Favorit für das Davis-Cup-Finale in Innsbruck (ab heute). Der Tennis-Star sprach gestern übers Skifahren in Tirol, fehlende Stadtausflüge und traurige Erinnerungen an den Länderkampf.

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Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic trifft morgen mit Serbien beim Davis-Cup-Finalturnier als klarer Favorit auf Österreichs Tennis-Team.
© imago

Von Roman Stelzl

Innsbruck – Es passte zum Szenario, dass bei der gestrigen (Online-)Pressekonferenz des serbischen Davis-Cup-Teams in Innsbruck nur drei der sechs Herren am Podest ihre Maske abnehmen mussten. An Kapitän Viktor Troicki ging direkt nur eine Frage, an Filip Krajinovic ebenso – der Rest ging auf den Mann nieder, um den sich das heute beginnende Finalturnier und ein Großteil des gesamten Länderkampfs dreht: Novak Djokovic.

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Der 34-jährige Weltranglisten-Erste soll sich und seine Nation zum zweiten Davis-Cup-Titel nach 2010 führen. Die Motivation ist riesengroß. Vor allem nach den bitteren Tränen, die im Anschluss an das knapp verlorene Endspiel in Madrid 2019 (2:3 gegen Belgien) erst einmal trocknen mussten.

„Die letzte Erinnerung an den Davis Cup ist eine traurige, wir waren vor zwei Jahren sehr emotional nach dem Ende“, blickte der 20-fache Rekord-Grand-Slam-Sieger auf das packende Duell zurück. Es ist ein gewichtiger Grund, wieso Djokovic morgen gegen Österreich (16 Uhr, live Servus TV) zum Schläger greifen wird. „Wir waren damals sehr motiviert, sind sehr gute Freunde und wollen es jetzt noch einmal probieren“, ergänzte der Sieger von 86 ATP-Turnieren.

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Keine Möglichkeit zum Sightseeing

Dabei ist sein Team auch der große Favorit in Gruppe F mit Deutschland ohne Alexander Zverev (freiwillige Absage) und Österreich ohne Dominic Thiem (verletzt). Doch gerade die Lokalmatadore will man trotz klarer Ausgangslage zum Auftakt nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Ich unterschätze keinen Spieler, bereite mich auf das Duell gleich vor wie immer und werde meine Arbeit machen. Es ist auch hier nicht viel Platz für Fehler“, meinte Djokovic, der das Jahr zum siebenten Mal als Erster des ATP-Rankings abschloss und damit so oft wie kein anderer zuvor. Sein Gegner ist mit dem Niederösterreicher Dennis Novak insgesamt 117 Ränge schlechter klassiert. Und das auch noch ohne Zuschauer und mit fehlendem Support.

Dabei hätten die Serben auf Unterstützung aus ihrem Land gehofft. „Wir hatten viele Fans aus Serbien erwartet, es leben ja auch hier in Österreich viele. Aber das sind die Maßnahmen, wir müssen uns anpassen“, sagte Troicki. „Wir sind traurig, dass wir keine Fans haben. Die sind der Antrieb, den wir brauchen“, ergänzte Djokovic, der den ersten Tirol-Auftritt seit dem früheren Exhibition-Turnier in St. Anton am Arlberg hat. An Tirol hat der zweifache Familienvater nur gute Gedanken: „Ich war einige Jahre hintereinander in St. Anton, erinnere mich gerne an diese Trips. Tennis, Familienzeit, Skifahren, das alles in sieben Tagen Zeit. Es war eines der besten Exhibitions der Welt, das ist sicher“, meinte Djokovic, der im Interalpen-Hotel in Telfs („ein unglaubliches Hotel in dieser Bergkulisse“) residiert und von Tirol sonst freilich wenig mitbekommt: „Ich habe nichts von Innsbruck gesehen außer die Tennishallen. Im Lockdown gibt es für mich keine Chance, die Stadt zu sehen.“

Zusehen kann Djokovic heute (16 Uhr, live servustv.com) auch einem möglichen Viertelfinal-Gegner am Dienstag. Frankreich und Tschechien eröffnen den Davis Cup in Gruppe C.

Marach und Oswald nur noch beim Davis Cup ein Duo

Die Einsätze von Oliver Marach an der Seite von Philipp Oswald beim Davis Cup in Innsbruck könnten die letzten in der langen Karriere des mittlerweile 41-jährigen Doppelspezialisten werden. Der Steirer und der Vorarlberger haben sich laut einem Bericht der "Kleinen Zeitung" getrennt und nun überlegt Marach, ob er noch den Saisonauftakt in Australien anhängen soll.

"Es hängt davon ab, ob Dominic (Thiem) beim ATP Cup spielen wird und ob ich für die Australian Open noch einen Partner finde", sagte Marach in dem Interview. Nennschluss dafür sei der 2. Dezember. Den Schläger an den Nagel zu hängen sei aber auch eine Familienentscheidung. "Ich habe meine Kinder in diesem Jahr bis Anfang November nur drei Wochen gesehen. Das geht einfach nicht", so Marach.

Marach outete sich als gegen das Coronavirus geimpft. Er war zunächst skeptisch, hatte dann aber seine Meinung geändert. "Zwei meiner besten Freunde wären beinahe an Covid-19 verstorben und die beste Freundin unserer Nanny in Panama ist daran verstorben. Sie waren alle ungeimpft." Allerdings findet Marach, dass in Bezug auf die Impfung in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden. "Meiner Meinung nach wurde das Thema Impfen von den Medien falsch verkauft. Sie haben geschrieben, die Impfung würde Heilung bringen. Das tut sie aber nicht - sie schützt nur vor einem schweren Verlauf. Und das ist ein gravierender Unterschied, der sich auch bei der Wahrnehmung der Menschen entsprechend festgesetzt hat."

Marach kündigte für die Zeit nach seiner Karriere ein "großes Sportprojekt" in den USA an, mehr will er erst später verraten.


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