Erneut Mordalarm in Tirol: Frau (28) tot, U-Haft gegen Freund verhängt

Eine beispiellose Gewaltserie erschüttert Tirol. Innerhalb von fünf Tagen starben in Innsbruck und Neustift zwei Frauen und ein Mann nach mutmaßlichen Gewalttaten.

  • Artikel
  • Video
Die Wohnung wurde versiegelt
© zeitungsfoto.at

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Am Mittwoch wurde eine 28-jährige Innsbruckerin mit lebensbedrohlichen Verletzungen in die Klinik gebracht, am Donnerstag war sie tot. Die Frau ist das dritte Opfer innerhalb von fünf Tagen, das vermutlich durch ein Gewaltverbrechen das Leben verlor. „Eine beispiellose Serie in Tirol", sagt Gert Hofmann, stv. Leiter des Landeskriminalamtes. Unter Verdacht steht der Lebensgefährte der 28-Jährigen: „Der 34-Jährige bestreitet aber, für den Tod seiner Partnerin verantwortlich zu sein", so Hofmann weiter.

📽️ Video | Frau gestorben: Lebensgefährte in Haft

Der Innsbrucker war es auch, der am Mittwoch gegen 7.15 Uhr Alarm schlug. Seine Freundin sei schwer verletzt, teilte der Mann der Leitstelle mit. Als wenig später Sanitäter und Notarzt in der gemeinsamen Wohnung des Paares in der Amraser Straße eintrafen, war die 28-Jährige bereits nicht mehr bei Bewusstsein. Die Frau wies außerdem deutlich sichtbare schwere Verletzungen vor allem im Gesicht auf.

Während die Einsatzkräfte Wiederbelebungsmaßnahmen durchführten, erfuhren sie vom Lebensgefährten, dass die Verletzungen bei mehreren Stürzen entstanden seien. Eine Erklärung, die für Arzt und Sanitäter wenig glaubwürdig war – sie alarmierten die Polizei. Zumal auch die verletzten Hände des Innsbruckers für Argwohn sorgten. Wenig später trafen Beamte der Inspektion Pradl in der Wohnung ein. Auch sie konnten den Erklärungen des 34-Jährigen wenig abgewinnen. Der Mann wurde festgenommen, das Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen.

Die Sanitäter brachten die Frau inzwischen in die Klinik. Hoffnung bestand nur noch wenig ‒ die Innsbruckerin galt bereits als „hirntot". Am Donnerstagnachmittag wurden die schlimmsten Befürchtungen Gewissheit ‒ die 28-Jährige erlag ihren Verletzungen. Seither ermittelt die Polizei wegen Mordverdachts. Der Lebensgefährte blieb bei seiner ursprünglichen Verantwortung: „Er gab bei der Einvernahme an, dass die Frau in der Wohnung mehrmals gestürzt sei", erklärt Hofmann.

Obduktion am Freitag

Notarzt und Klinikärzte sahen das allerdings von Anfang an anders. Und auch der Gerichtsmediziner kam nach einem Besuch bei der Patientin zum Schluss, dass „das Verletzungsbild mit Stürzen nicht in Einklang zu bringen ist", erläutert der LKA-Vizechef. Weitere Aufschlüsse erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion, die heute stattfindet und den ganzen Tag dauern wird. Dabei soll auch die genaue Todesursache geklärt werden. In Bezug auf häusliche Gewalt war das Paar bislang unauffällig: „Es gab auch keine Wegweisungen", bestätigt Hofmann.

Die Staatsanwaltschaft hat noch am Donnerstagnachmittag angeordnet, dass der Verdächtige in die Justizanstalt gebracht wird. Freitagfrüh wurde gegen den 34-Jährigen Untersuchungshaft wegen dringenden Tatverdachts verhängt. Das erklärte Staatsanwalt Hansjörg Mayr gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Obduktionsergebnisse sowie neue Erkenntnisse aus den Ermittlungen werden laut Mayr erst in der kommenden Woche bekannt gegeben.

Fünfte Gewaltverbrechen in Tirol in diesem Monat

Das mutmaßliche Gewaltverbrechen ist bereits das fünfte in diesem Monat in Tirol und das vierte, das tödlich endete. Anfang November ging ein 40-Jähriger auf der Autobahn bei Vomp mit einem Messer auf seine Mutter (72) los. Die Griechin erlitt Stichverletzungen. Für die Ermittler ein Mordversuch, der Sohn wurde festgenommen. Am 8. November fanden Polizeibeamte in einem Haus in Weerberg zwei Leichen. Wie die Ermittlungen ergaben, hat ein 83-Jähriger seine Ehefrau (86) und dann sich selbst erschossen. Vor einer Woche starb eine 50-jährige Innsbruckerin nach mehreren Messerstichen. Ihr Ehemann wurde als Mordverdächtiger verhaftet.

Nur einen Tag später war es ein 57-jähriger Mann in Neustift, der ebenfalls mit einem Messer getötet wurde. Und zwar vermutlich von seiner eigenen Tochter (28), die nach der Tat wegen psychischer Probleme in der Klinik behandelt werden musste. Inzwischen ist die Frau in der Justizanstalt.

💻📞 Hier finden Sie Hilfe


Schlagworte