Umstrittene Rabattschlacht: Die Kehrseite des Black Friday

Die Preisnachlässe zum Black Friday sind oft nicht so hoch wie gedacht. Konsumentenschützer warnen vor Fallen und Fake-Shops. NGOs kritisieren die Rabattschlacht als Symbol des Konsumwahnsinns.

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In Österreich findet die Rabattschlacht heuer wieder nur online statt.
© APA/AFP/TIMOTHY A. CLARY

Wien – Bereits zum zweiten Mal findet die Rabattschlacht rund um den Black Friday in Österreich coronabedingt nur im Internet statt. Sonderangebote sollen die Kauflust der Kunden anstacheln. Untersuchungen zeigen aber, dass die Preisnachlässe nicht so hoch sind wie gedacht. Konsumentenschützer warnen vor Fallen und Fake-Shops, NGOs kritisieren Textilmüllberge und schlechte Arbeitsbedingungen in vielen Produktionsstätten im Globalen Süden.

Der Black Friday stammt aus den USA, es ist der Freitag nach Thanksgiving, das stets auf den vierten Donnerstag im November fällt. Das Wochenende nach dem Erntedankfest gilt in den Vereinigten Staaten als Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Der Onlinehandel zieht mit dem Cyber Monday nach. Zunehmend schwappte die Rabattschlacht auch nach Europa.

Amazon und Co profitieren am meisten

Die stationären Händler in Österreich können im Schnitt weniger als ein Drittel ihrer lockdownbedingten Verluste durch Click & Collect (online/telefonisch bestellen, vor Ort abholen) oder Webshop-Angebote wettmachen, schätzt der Handelsverband. Ein Großteil der geplanten Ausgaben werde sicher aber auf den internationalen Onlinehandel rund um Amazon & Co verschieben, ein kleinerer Teil werde gar nicht realisiert werden. Die Interessenvertretung schätzt, dass die Österreicher und Österreicherinnen rund 440 Mio. Euro rund um den Black Friday und Cyber Monday ausgeben werden. Vor allem bei jungen Konsumenten sind die beiden Sondereinkaufstage beliebt.

In Deutschland erwartet der Einzelhandel nach einer Prognose des Handelsverbandes Deutschland (HDE) Rekordumsätze in Höhe von rund 4,9 Mrd. Euro. Lieferengpässe etwa im Elektronikhandel und bei Textilien überschatten derzeit aber die Rabatttage. "Es ist verrückt. Wir haben Lieferprobleme bei den begehrten Artikeln, aber gleichzeitig auch pandemiebedingt einen erheblichen Überschuss an Ladenhütern aus der Lockdown-Zeit", beschreibt der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein laut dpa die Lage. Christian Wulff von der Unternehmensberatung PwC sieht das ähnlich. "Aufgrund der angespannten Lieferketten kann es in diesem Jahr in einigen Produktkategorien zu Engpässen kommen. Händler sollten sich daher genau überlegen, welche Produkte sie zu Black Friday rabattieren", empfiehlt er.

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Online-Riesen wie Amazon profitierten am meisten.
© DANIEL LEAL-OLIVAS

Nicht immer ein Schnäppchen

Doch die verlockenden Rabatte sind manchmal reiner Schwindel und Fake-Shops haben ebenfalls Hochkonjunktur, warnt die Internet Ombudsstelle mit Sitz in Wien. "Die enormen Rabatte am Black Friday sind auf den zweiten Blick oft gar nicht so attraktiv. Denn meistens werden als Basis für solche Nachlässe die unverbindlichen Preisempfehlungen des Herstellers herangezogen – die allerdings selten dem Marktpreis entsprechen", heißt es in einer Aussendung der Konsumentenschützer. Konsumenten sollten sich bei zeitlich limitierten Angeboten nicht unter Druck setzen lassen und die Preise über Preistracking-Tools oder über Vergleichsportale vergleichen. Ein Blick ins Impressum des Online-Shops könne vor Fake-Shops schützen. "Ist keines vorhanden oder erregt es Misstrauen, sollte man lieber die Finger von den Angeboten lassen", so die Ombudsstelle. Auch eine Vorauszahlungspflicht – insbesondere, wenn auf der Startseite noch alternative Zahlungsmittel angeführt sind – sei ein häufiges Merkmal von Fake-Shops.

„Schwarzen Tag für die Nachhaltigkeit“

Fairtrade sieht den Black Friday als "schwarzen Tag für die Nachhaltigkeit". "Wir kaufen mehr, zahlen weniger und nutzen Produkte immer kürzer. Der Black Friday ist zum Symbol dieses Konsumwahnsinns geworden", kritisierte Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Fehlende Arbeitsverträge und schlechte Bezahlung würden in vielen Produktionsstätten im Globalen Süden zum Alltag gehören. Gleichzeitig würden durch immer kürzere Produktzyklen Berge an Müll entstehen. "Konsument*innen sollten daher bewusst einkaufen und auf Langlebigkeit und faire Produktion setzen, anstatt sich von künstlich erzeugtem Kaufdruck blenden zu lassen", so Kirner.

Vor diesem Hintergrund werden wieder Rufe rund um ein Lieferkettengesetz laut. Beim Lieferkettengesetz geht es darum, Händler und Verkäufer dafür verantwortlich und haftbar zu machen, wenn in ihren Lieferketten etwas im Argen liegt, also bei Lieferanten und Produzenten vornehmlich im Ausland. Ein solches fordert neben Fairtrade auch das zivilgesellschaftliche Bündnis AG Rohstoffe, das mit einer Aktion vor dem Amazon-Zentrum in Wien Liesing auf die Missstände im Versandhandel und der Elektronikindustrie aufmerksam machen will. "Während Amazon in der Coronazeit neue Rekordgewinne erzielt, schuften Arbeiterinnen und Arbeiter weiterhin unter höchst prekären Verhältnissen", kritisiert Stefan Grasgruber-Kerl, Menschenrechtssprecher von Südwind. Das gelte auch für Österreich.

In Deutschland hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Beschäftigten des Onlinehändlers Amazon anlässlich des Black Friday zu Streiks aufgerufen. (APA)


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