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Auf dem richtigen Auge blind

Daten zu finden ist heute nicht mehr das Problem. Vielmehr ist es die Herausforderung, sie zu be- und verarbeiten, ohne Missbrauch Tür und Tor zu öffnen. Dazu braucht es die richtigen Werkzeuge und Methoden – und die liefert nicht zuletzt das Tiroler Start-up Swarm Analytics.

Michael Bredehorn ist CO-Founder und CEO des Innsbrucker Start-ups Swarm Analytics.
© Aria Sadr-Salek

Dass Daten „das neue Öl“ sind, predigen Experten seit mehr als einem Jahrzehnt. Und auch wenn der Vergleich abgedroschen ist: Nicht nur um Öl zu fördern, braucht es die richtigen Maschinen. Auch der Datenschatz entfaltet erst seinen Wert, wenn er gehoben ist.

Dabei können Daten an sich überall gefunden werden. Sie liegen sogar auf der Straße – im wahrsten Sinne des Wortes, wie Michael Bredehorn und Georg Westner 2017 erkannt haben: Nicht nur im Internet hinterlässt jeder Schritt eine Spur, sondern auch am Gehsteig – wenn man weiß, wie man sie sichtbar macht. „Wir geben der Stadt gewissermaßen die Augen, die sie dafür braucht“, erklärt Bredehorn. Mit dem von MAD Ventures unterstützten Start-up Swarm Analytics haben sein Geschäftspartner und er sich auf die Erkennung von Bewegungsmustern im öffentlichen Raum spezialisiert – und dank dem Einsatz künstlicher Intelligenz und lernender Algorithmen ist das nicht nur hocheffizient, sondern vor allem vollkommen anonymisiert möglich.

Elektronisches Gehirn

Als physisches Erzeugnis vertreibt Swarm Analytics Hardware-Boxen, die dort angebracht werden, wo Verkehr erfasst werden soll – seien es Fußgänger, Autos oder beides. Sie sind zwar mit einer Kamera ausgestattet – „als solche im engeren Sinne nutzen wir sie allerdings nicht“, erklärt Bredehorn. „Die Bilder werden zwar erfasst, aber weder gespeichert, noch verlassen sie jemals die Box.“ Stattdessen liefern sie Daten an das eigentliche Produkt des Start-ups: die elektronische Intelligenz, die sich in der Hardware verbirgt.

Das Hirn für die Kamera: In diese simplen Hardware-Boxen ist die von Swarm Analytics entwickelte und trainierte KI verbaut.
© Aria Sadr-Salek

Hausgemachte Intelligenz

Die KI hat Swarm Analytics selbst entwickelt und trainiert und ist damit herkömmlichen Methoden zur Verkehrsanalyse bereits meilenweit voraus. Händische Verkehrszählungen sind nicht nur teuer und arbeitsintensiv, sie können auch nur über sehr beschränkte Zeiträume durchgeführt werden. Radar-Systeme können Fahrzeugarten nur anhand der Größe unterscheiden. Induktionsspulen, wie sie bei „smarten Ampeln“ im Einsatz sind, müssen unter dem Asphalt verlegt werden und sind nur für den Autoverkehr sinnvoll. „Unsere KI räumt mit all diesen Problemen auf“, versichert Bredehorn. „Einfach installiert und an die Stromversorgung angeschlossen, unterscheidet sie zwischen Passant und Pkw ebenso wie zwischen Fahr- und Motorrad ganz ohne Probleme. Und das, ohne Kennzeichen oder Gesichter zu identifizieren und dadurch Persönlichkeitsrechte zu verletzen.“

Weithin etabliert

Dementsprechend ist die Technologie von Swarm Analytics bereits im gesamten DACH-Raum sowie in Skandinavien im Einsatz: Bei Unternehmen wie Swarco, Magenta oder Fiegl & Spielberger dient sie unter anderem zum Parkplatz-Management, was nicht nur den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen den Alltag erleichtert, sondern auch Optimierung und damit Kostenersparnisse ermöglicht. In der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße analysieren die Boxen die Bewegungen der Passanten und in den Skigebieten in Ischgl und Kitzbühel liefern sie die nötigen Daten zur Besucherstromlenkung, die es unter anderem erlauben, Wartezeiten am Lift zu prognostizieren und zu reduzieren. „Die Hardware wird auch als OEM-Produkt vertrieben“, erklärt Bredehorn. „Dazu kommen also noch sehr viele Kunden, die nicht einmal wissen, dass ihre Systeme von uns stammen.“

Wieland Alge und Walter Ischia investieren mit MAD Ventures nicht nur in Start-ups wie Swarm Analytics, sondern arbeiten dort auch selbst operativ mit.
© Aria Sadr-Salek

Mitdenkende Stadt

Doch auch damit ist das Potenzial der KI noch lange nicht ausgeschöpft. Bredehorn ist sicher, dass die Erfassung via Kamera und KI die Zukunft von Verkehrsleitsystemen sein wird. In der dänischen 180.000-Einwohner-Stadt Odense beweist Swarm Analytics das bereits. 125 Boxen analysieren dort seit 2019 den Verkehrsfluss an 100 Kreuzungen. „Unsere KI wird Verkehrsteilnehmern bald auch kurzlebige IDs anhand optischer Merkmale zuordnen können“, erklärt er. Dabei erkennt sie Autos anhand von Farbe, Form und anderen Merkmalen, merkt sie sich für einen kurzen Zeitraum und vergisst sie wieder. „So können wir beispielsweise die Reisezeit zwischen zwei Punkten messen und Staus vorhersagen.“ In ein adaptives, ganzheitliches Steuersystem eingebunden könnte sich die Stadt anhand dieser Daten in Echtzeit an die Verkehrssituation anpassen – ohne auf persönliche Informationen wie Kennzeichen oder Daten aus Drittquellen wie Mobilfunksignale zurückzugreifen.

Mehr zum Thema: Im Raiffeisen Expertentalk erläutert KI-Fachfrau Britta Daffner im Gespräch mit Moderatorin Anne Gfrerer und dem stv. Vorstandsvorsitzenden der RLB Tirol Thomas Wass die Chancen und Anwendungsmöglichkeiten dieser faszinierenden Zukunftstechnologie.

Zum Nachlesen: Künstliche Intelligenz ist auch Schwerpunktthema in der aktuellen Ausgabe von Raiffeisen kompakt, dem Magazin für die Tiroler Wirtschaft.


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