Palfrader und Bildungsreferenten bekennen sich zu offenen Schulen

Die Tiroler Landesrätin und die Bildungsreferenten der Bundesländer wollen an der aktuellen Regelung festhalten. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) freut sich über die Einigkeit. Jugendpsychologen befürchten Gefährdung der psychischen Gesundheit.

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Beate Palfrader (ÖVP) sieht die regelmäßigen Tests an den Schulen als Kontrollinstrument.
© Andreas Rottensteiner

Innsbruck – Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) sowie die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ÖGKJP) haben sich am Donnerstag für ein Offenhalten der Schulen ausgesprochen. "Wir halten daran fest, vom flächendeckenden Distance Learning Abstand zu nehmen", betonte Palfrader im APA-Gespräch. Nach einem virtuellen Treffen der Landesbildungsreferenten freute sich Ressortchef Heinz Faßmann (ÖVP) am Nachmittag dann über Einigkeit in dieser Frage.

Die Teilnehmer hätten ein Bekenntnis zur offenen Schule abgegeben, berichtete Faßmann in einer Aussendung: "Schülerinnen und Schüler haben sich in der Pandemie solidarisch gezeigt. Sie mussten in den letzten 20 Monaten auf viel verzichten. In der jetzigen Phase der Pandemie haben sie ein Recht auf so viel Normalität und Unterstützung wie möglich. Ich bin froh, dass wir uns darüber einig sind." Besprochen wurde bei dem Treffen auch die weitere Ausrollung des zweiten wöchentlichen PCR-Tests auf Oberösterreich und Niederösterreich.

Tests an Schule ein „Kontrollinstrument"

Zuvor hatte Palfrader argumentiert, dass man durch das regelmäßige Testen an den Schulen ein Kontrollinstrument habe, was das Infektionsgeschehen betreffe. Sie hoffe zudem, dass die neu eingeführte Regelung, wonach ab dem zweiten Infektionsfall die ganze Klasse für fünf Tage ins Distance Learning müsse, greifen werde. Ob man den Winter ohne Schulschließungen überstehen werde, könne sie aber nicht vorhersagen.

Gegen eine Schließung der Schulen zum jetzigen Zeitpunkt sprachen sich auch Palfraders Kolleginnen aus Niederösterreich und Salzburg im Ö1-Mittagsjournal aus. Mit der nunmehrigen Lösung, etwa Klassen ab dem zweiten Infektionsfall ins Distance Learning schicken zu können, sei sie sehr zufrieden, meinte etwa die Salzburger Bildungs-Landesrätin Daniela Gutschi (ÖVP). Sowohl Gutschi als auch ihr niederösterreichisches Pendant Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) stellten auch in Abrede, dass ihre Länder Druck für Schulschließungen machen würden. Wenn sich die Lage zuspitze, könne es zwar sein, dass man auch Schulen zusperren müsse. In einer Pandemie schließe sie nichts aus. "Wenn Sie mich fragen, ob ich das will, sage ich eindeutig Nein", so Teschl-Hofmeister.

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Vehement gegen Schulschließungen positionierte sich das ÖGKJP-Präsidium und deren Präsidentin Kathrin Sevecke. Studien hätten "eindeutig belegt, dass die Pandemie die psychische Gesundheit junger Menschen deutlich beeinträchtigt", unterstrichen die Experten in einer Aussendung. Man sollte, so die ÖGKJP, "aus den bisherigen Fehlern gelernt haben". Eine erneute Schulschließung würde aus Expertensicht "mit Sicherheit die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen weiter gefährden". Zudem bestehe die Gefahr, dass emotional belastete junge Menschen, die noch nicht klinisch gefährdet sind, nun ebenfalls Symptome einer psychischen Erkrankung entwickeln.

Denn mittlerweile sei klar, dass es durch die Schließung der Schulen "nicht nur zu Einschränkungen im Lernergebnis", sondern auch "zu gravierenden sozial-emotionalen Beeinträchtigungen" komme. So haben sich laut der Tiroler COVID-19 Kinderstudie Angst- und Traumasymptome seit März 2020 verdrei- bis vervierfacht. Wiesen im März 2020 noch sechs Prozent der Kinder Symptome im klinischen Bereich auf, waren es bei der letzten Erhebung im Sommer 2021 bereits 23 Prozent.

Einer bundesweiten Studie zufolge wiesen 55 Prozent der österreichischen Jugendlichen und Auszubildenden klinisch relevante depressive Symptome auf. Die Prävalenz von Suizidgedanken lag bei 37 Prozent. Bereits ein Semester nach Wiedereröffnung der Schulen und Zurückfahren der Eindämmungsmaßnahmen im Juni 2021 habe sich eine Verbesserung der psychischen Gesundheit der Jugendlichen gezeigt.


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