Neue Studie: Der Einfluss des politischen Islam in Österreich

Experten Heiko Heinisch und Lorenzo Vidino legen Studie zu Islamismus in Europa und Österreich vor.

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Islam-Experten setzen sich in einem neuen Bericht kritisch mit Moscheenverbänden in Österreich auseinander.
© APA/Gindl

Von Serdar Sahin

Wien – Die „Dokumentationsstelle politischer Islam“ veröffentlicht heute zwei neue Berichte, die erneut für Aufruhr unter manchen muslimischen Vereinen sorgen dürften. Unter dem Titel „Organisationen des politischen Islam und ihr Einfluss in Europa und Österreich“ analysiert Historiker und Islamismusexperte Heiko Heinisch „die drei einflussreichsten politisch-islamischen Organisationen und ihre Netzwerke“ hierzulande. Konkret fasst Heinisch diesmal im Frühjahr von der Dokustelle publizierte „Grundlagenpapiere“ zu den einzelnen Organisationen zusammen – und verschafft so einen Überblick.

Der Muslimbruderschaft könnten in Europa „geschätzt 200 Organisationen und Institutionen“ zugerechnet werden, schreibt Heinisch in der nunmehrigen Studie. In Österreich seien Anhänger der Muslimbruderschaft bereits seit den 1960er-Jahren in der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) bzw. deren Vorläuferorganisationen vertreten. „Vielfältige Organisationen, Vereine, Institutionen, karitative Organisationen und Stiftungen wurden so direkt von Muslimbrüdern oder unter Beteiligung von Personen aus dem ideologischen und organisatorischen Umfeld der Bewegung gegründet.“

Die Bewegung Milli Görüs trete nach außen weltoffen auf, nach innen seien jedoch Abwertungen des Lebensstils anderer Teile der Gesellschaft weit verbreitet, konstatiert Heinisch. Begrüßenswert seien „ernstzunehmende Reformschritte in Richtung einer Distanzierung von problematischen Haltungen“. Dem großen Moscheenverband, der Islamischen Föderation in Österreich, wirft Heinisch erneut vor, sich vom Gründungsvater der Milli Görüs, Necmettin Erbakan, und seinen politischen Islamvorstellungen (darunter Antisemitismus) bis heute offiziell nicht distanziert zu haben. Die Islamische Föderation hat diesen Vorhalt kürzlich scharf zurückgewiesen.

Zur Atib Union, „österreichischer Ableger der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet“, befindet Heinisch, dass seit dem Aufstieg (Recep Tayyip) Erdogans und seiner AKP türkische Staatspropaganda in die Moscheen getragen werde. „Die türkische Regierung und die ihr unterstellte Religionsbehörde Diyanet haben immer offener einen neo-osmanischen und islamistischen Kurs eingeschlagen. Dieser Kurswechsel kommt, wenn auch mit Verzögerungen, bei der Atib Union in Österreich und den ihr unterstellten Moscheen an.“

Der zweite Teil der Studie von US-Extremismusforscher Lorenzo Vidino beschreibt den „Umgang mit Islamisten in Europa“. Im Fazit richtet Vidino Empfehlungen an die Politik. „Die erste Empfehlung ist ebenso grundlegend wie entscheidend: Wissen aufbauen“, heißt es darin mit Blick auf die eigene Studie.


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