Niedergelassene Ärzte fordern mehr Geld für Covid-Behandlung

Um Covid-Patienten besser betreuen zu können, wollen Ärzte mehr Hausapotheken.

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Niedergelassene Ärzte haben ihre Ordinationen pandemietauglich gemacht. Die Honorarsätze der Gesundheitskasse seien das nicht.
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Wien, Innsbruck – Der Fokus in der Corona-Krise liegt stark auf der Hospitalisierungsrate und der Auslastung der Intensivstationen.

Die allermeisten Covid-Patienten, nämlich 90 Prozent, würden von niedergelassenen Ärzten betreut. „Die leisten Übermenschliches“, sagte gestern Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart bei einer Pressekonferenz in Wien. Sowohl in der Stadt als auch am Land mussten die Ärzte ihre Ordinationen pandemietauglich machen. Man habe auf online und Telefon umgestellt, mache jedoch auch Hausbesuche. Um die Patienten optimal zu betreuen, fordern die Ärzte mehr Hausapotheken. Im Fachjargon heißt das Dispensierrecht, also die gesetzliche Erlaubnis, Medikamente zu mischen, zu lagern und zu verkaufen. Das schmeckt vor allem den Apothekern nicht. Wer als Arzt eine Hausapotheke führen darf, ist genau geregelt. In Österreich sind es 850 Landärzte.

„Jeder Patient braucht viel mehr Zeit“, sagte Allgemeinmedizinerin Naghme Kamaleyan-Schmied. Als Arzt könne man jedoch nur bei zwei von zehn Patienten ein längeres Arztgespräch abrechnen. Der Tenor der niedergelassenen Ärzte ist daher, dass die Gesundheitskassen den Honorarkatalog dementsprechend adaptieren. Kamaleyan-Schmied betreibt in Wien-Floridsdorf eine Praxis. Eine weitere Hürde für Ärzte in Wien sei das fehlende Parkpickerl, das es für andere Branchen gebe.

Aber auch in der Höhe und am Land habe Covid das Ärzteleben verändert, sagte Edgar Wutscher, der in Obergurgl eine Ordination betreibt. „Die Einführung des Dispensierrechts ist ein Muss“, sagte er. Kranke, möglicherweise bettlägerige Menschen sollten ihre Medikamente vom Arzt oder von der Ärztin bekommen können und keine weiten Wege bis in die Apotheke mehr zurücklegen müssen. Für Covid-Patienten sei das sowieso unmöglich.

Wutscher und Kamaleyan-Schmied machen keine Antikörpertests, bevor sie impfen. „Die Zahl der Antikörper hat nicht die geringste Relevanz“, sagte Wutscher. Er riet zur Auffrischung. (aheu)


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