Stille Hoffnung in leerer Halle: Österreich krasser Außenseiter gegen Serbien

629 Tage nach der Qualifikation ist es endlich so weit: Österreichs Tennis-Team trifft heute (16 Uhr, Servus TV) beim Davis-Cup-Finalturnier in Innsbruck auf Serbien. Ohne Fans, aber mit der Lust auf die große Sensation.

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Novak gegen Novak: Dennis Novak fordert heute Serbiens Superstar Novark Djokovic.
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Von Roman Stelzl

Innsbruck – Die Stimmung im österreichischen Tennis-Team ist locker, als die sechs Herren das letzte Mal in Innsbruck vor die Presse treten. „Seine größte Schwäche ist, dass er sich zu schlecht bewegt“, antwortet Dennis Novak auf die Frage, wo Novak Djokovic angreifbar ist. Gefolgt von einem Lächeln und einem flotten „War nur Spaß“.

Es klingt nach viel Ironie, mehr noch Galgenhumor, was die Lokalmatadoren vor dem heutigen Duell mit Serbien (16 Uhr, live Servus TV) sagen. Es passt wie der Deckel auf den Topf zur krassen Außenseiterrolle, die Österreichs Tennis-Star im Auftakt-Match des Davis-Cup-Finalturniers in Tirol einnimmt. Mit dem Auftreten des Weltranglisten-Ersten Djokovic – im Übrigen bekannt für seine grandiose Beinarbeit – und zwei weiteren Top-Spielern im Talon (Filip Krajinovic, Dusan Lajovic) sinken die Chancen auf ein Minimum, zumal ohne Zuschauer in der Olympiahalle gespielt wird. Beide Teams dürfen je 24 Leute in die Halle bringen, dazu wird es eine Hand voll lokaler Journalisten geben – das war es dann schon bald mit Heimvor- oder eben -nachteil.

629 Tage nach der geschafften Qualifikation im Frühjahr 2020 (3:1 gegen Uruguay) und der Absage im selben Jahr geht es nun endlich zur Sache. Und das auch noch auf heimischem Boden. Also wieso nicht an das Prinzip David gegen den Goliath glauben? „Natürlich sind wir krasser Außenseiter“, sagt ÖTV-Sportdirektor und Rekord-Davis-Cup-Nationalspieler Jürgen Melzer. Doch der Niederösterreicher hat ja selbst schon einmal Djokovic geschlagen (French-Open-Viertelfinale 2010). Und glaubt daher auch an die Chancen. „Unser Doppel ist sehr gut in Form, das hat sich im Training gezeigt. Der Fahrplan gegen Serbien ist der, dass unsere Nummer zwei eine unglaubliche Partie spielen muss. Und wenn Dennis gegen Djokovic gewinnt, dann kann man ihn aus der Halle tragen.“

Die Hoffnung, dass Djokovic nicht spielt (und sich schont) oder er es auf die leichte Schulter nimmt, ist gering, daher sind also wohl die anderen gefragt. Lajovic und Krajinovic sind Top-50-Spieler, aber angreifbar – das wird Jurij Rodionov (oder vielleicht Gerald Melzer) mit einer Partie Marke „Spiel meines Lebens“ ausnützen können. Und weil jeder Punkt zählt, um als einer der beiden besten Gruppen-Zweiten den Aufstieg zu schaffen, liegt viel am gut eingespielten Doppel Oliver Marach und Philipp Oswald. Das Duo bestreitet den letzten internationalen Auftritt – und will dabei alles geben. Nur: Dieses Mal wird es vielmehr ein Über-sich-Hinauswachsen brauchen. Von allen.


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