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Lehrer für offene Schulen und mit hartem Urteil über System

Eine Studie der Universität Wien zeigt: die Mehrheit der Lehrer ist gegen eine weitere Schließung der Schulen. Das Schulsystem bewerten die Pädagogen deutlich negativer als noch vor den Lockdowns.

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Wien – Eine Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer spricht sich gegen weitere Schulschließungen aus. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Wien. Demnach bevorzugen 60 Prozent die derzeitige Regelung mit offenen Schulen und Aufhebung der Präsenzpflicht, 37 Prozent plädierten dagegen für neuerliche Schließungen. Gleichzeitig bewerten die Pädagogen das Schulsystem deutlich negativer als noch vor den Lockdowns.

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Unter der Leitung von Susanne Schwab und Katharina-Theresa Lindner läuft derzeit die dritte Erhebungsphase einer Studie zum Thema inklusive Bildung während COVID-19. Im Zuge dessen werden Lehrpersonen zu Erfahrungen und Einstellungen hinsichtlich der aktuellen bildungspolitischen Maßnahmen sowie ihres Arbeitsalltags befragt. Die ersten beiden Befragungen fanden während der ersten (Frühjahr 2020) und zweiten (Herbst 2020) nationalen Schulschließungen statt, die dritte wurde nun in zeitlicher Übereinstimmung mit den neuen Schulregeln gestartet. Seit Beginn der laufenden Befragung nahmen bereits über 500 Lehrpersonen aus ganz Österreich teil - der Schwerpunkt lag dabei auf den Pflichtschulen.

Als Grund für die Ablehnung von Schulschließungen nannten die Lehrkräfte vor allem das gemeinsame Arbeiten, die sozialen Interaktionsmöglichkeiten und das "Nicht-Verloren-Gehen" der Schülerinnen und Schüler. Eindeutig ist das Urteil der Pädagoginnen und Pädagogen über die Arbeitsbelastungen: 87,5 Prozent berichteten über einen (deutlich) erhöhten Arbeitsaufwand im Vergleich zu der Zeit vor COVID-19. 48 Prozent fühlten sich in der aktuellen beruflichen Situation stark belastet - im Vergleich zu den Ergebnissen des ersten (60,8 Prozent) und zweiten (74,3 Prozent) nationalen Lockdown zeigte sich hier aber eine deutliche Verbesserung. Das lasse darauf schließen, dass "sowohl alle Beteiligten ein erhöhtes Maß an Anpassungsleistung aufweisen als auch die derzeitige Regelung positiver erlebt wird als flächendeckende Schulschließungen", schreiben die Forscherinnen.

Deutlich negativer als vor den Lockdowns bewerteten die Lehrerinnen und Lehrer das Schulsystem. Vor COVID-19 beurteilten sie dieses nach Schulnoten im Schnitt mit "Gut", während des zweiten Lockdowns griffen sie durchschnittlich zum "Befriedigend", wobei aber jede zehnte Lehrkraft einen Fünfer verteilte. Aktuell erhält das Schulsystem mit Inkrafttreten des neuen Erlasses (seit 22.11.2021) schon von 36 Prozent ein "Nicht Genügend", weitere 29 Prozent gaben einen Vierer.

Als "tröstlich" sehen die Wissenschafterinnen, dass sich laut den Auskünften der Studienteilnehmer durch die Umstände "Kooperationsteams" zwischen Lehrpersonen, Erziehungsberechtigten sowie Kindern und Jugendlichen gebildet hätten. 58 Prozent der teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer berichteten über einen (eher) guten Umgang der Erziehungsberechtigen mit den Herausforderungen der aktuellen Krisensituation. Auch nahmen 87 Prozent die Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten im Vergleich zu früheren Schulschließungen als gleichbleibend oder verbessert wahr. Sowohl Lehrkräfte als auch Schüler orteten auch eine Weiterentwicklung der digitalen Kompetenzen. (APA)


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