Der neue Defender: Die radikale Verwandlung

Der alte Defender konnte einiges, aber vieles auch nicht – der neue Defender, seit dem Vorjahr auf dem Markt, kann fast alles, insbesondere als 404 PS starke Plug-in-Hybrid-Variante.

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Schön eckig wie der Defender-Vorgänger – aber im Nachfolger läuft vieles rund(er), wie der Plug-in-Hybrid-Allradler dieser Tage in Tirol und Umgebung demonstrierte.
© Höscheler

Von Markus Höscheler

Innsbruck – An einer Ikone Kritik üben, an einem Denkmal kratzen? Nicht wirklich. Die altehrwürdige Defender-Generation, die mehrere Jahrzehnte lang ins Unwegsame führte, erarbeitete sich mit seinem robusten Auftritt im Gelände einen unzerstörbaren Ruf. Dem Image war es nicht wirklich abträglich, wenn Marotten und Schwächen ans Tageslicht kamen, etwa der ungeheuer lange Bremsweg, der sensationell schlechte Wendekreis, die teilweise mangelhafte Verarbeitung, filigrane Bestandteile im Innenraum, die ungenaue Lenkung, der fehlende Fahrkomfort – dem typischen Defender-Kunden waren diese Einwände schnurzpiepegal, der extreme Geländewagen verkaufte sich beständig weiter.

Für immer konnte sich der britische Hersteller aber nicht in der Automobilbranche stattfindenden Innovationen verschließen. Konnten wir uns in manch altem Defender-Fabrikat glücklich schätzen, wenn wir den gewünschten Gang irgendwie mit schwergängigem Kupplungspedal reinwürgten, verfügt der neue Defender standardmäßig über eine zügig, bequem und nahezu unmerklich schaltende Achtstufenautomatik. Und es muss kein lauter Diesel oder ein voluminöser V8-Benziner sein, der dem Schwergewicht die Trägheit austreibt, es kann auch eine Kombination aus einem Zweiliter-Vierzylinder-Ottomotor und einem Elektromotor sein, die in der Variante P400e zusammen 404 PS leisten und ein maximales Drehmoment von 640 Newtonmetern stemmen. Das ausgewählte Triebwerks-Duett macht das Schwergewicht (2,6 Tonnen) zu einem leichten Spielball. Lediglich 5,6 Sekunden vergehen, bis der Defender P400e von null auf 100 km/h beschleunigt. Und die Insassen bekommen dank feinfühliger Luftfederung von diesem Offensivdrang erstaunlich wenig mit. Dafür die Exekutive, wenn der Fahrer unmerklich das vorgegebene Tempolimit überschreitet und zum unfreiwilligen Zwischenstopp gerufen wird. Das eingefangene Organmandat kann allerdings nicht die gute Stimmung verderben, die der Defender auf der Autobahn und vor allem auf kurvenreichen Land- und Passstraßen erzeugt. Die Lenkung agiert leichtgängig und erstaunlich präzise, als führten wir ein Sport-SUV.

Dabei ist der Defender trotz aller Fortschritte zwei Dingen treu geblieben: erstens dem kantigen Design, zweitens seinen untrüglichen Talenten im Gelände. Mit kaum einem Fahrzeug ist es so einfach, einen schrägen Hang zu befahren oder schlammige Passagen zu bewältigen, wie mit dem Defender. Hilfreich sind dabei die Einstellungen via Terrain-Response-Programm.

Bei aller Liebe zur Kraxelei – das Erstaunliche am Defender ist sein revolutionärer Hang zum luxuriösen Interieur – bequeme, elektrische einstellbare Ledersitze, ein volldigitales Instrumentarium, ein Highend-Multimediasystem, eine Dreizonen-Klimaautomatik, ja sogar Isofix-Befestigungspunkte auf dem Beifahrersitz sind dazu da, Fahrer wie Fahrgäste durchwegs zu unterstützen oder zu verwöhnen. Dazu kommt noch ein gutes Gefühl, Pendlerstrecken (bis zu 40 Kilometern) rein elektrisch fahren zu können. Dass Land Rover dafür 94.083 Euro veranschlagt, verwundert nicht.

Die Technik

Motor: R4-Turbobenziner, E-Motor

Hubraum: 1997 ccm

Drehmoment: 640 Nm bei 1500 U/min

Leistung: 297 kW/404 PS

L/B/H: 4758/2008/1967 mm

Gewicht: 2600/3300 kg

Kofferraumvolumen: 696–1759 l

Tankinhalt: 90 l

Höchstgeschwindigkeit: 191 km/h

0–100 km/h: 5,6 Sekunden

Verbrauch: 13,0 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 94.083 Euro

CO2-Emission: 78 g/km


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