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LKA-Chefin Tersch: „Als Polizei raten wir bei Gewalt zur raschen Anzeige“

Bis dato wurden in Österreich heuer 29 Frauen ermordet. Werden Frauen zu wenig geschützt? Was kann die Polizei tun? Was läuft schief? Ein Gespräch mit Katja Tersch, Chefin des Landeskriminalamts Tirol.

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LKA-Chefin Katja Tersch: „Jede Gewalttat ist eine Straftat zu viel.“
© Michael Kristen

Frau Tersch, wir zählen einen Frauenmord nach dem anderen in Österreich. Wie sehr schockt Sie das?

Katja Tersch: Jede Gewalttat macht betroffen und ist eine zu viel. Da geht es mir nicht anders als anderen. Umso wichtiger ist es für uns als Polizei, den möglichen Täter rasch auszuforschen, und es ist sehr gut und wichtig, dass wir hier eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Gewaltschutzeinrichtungen, Männerberatungen haben. Vernetzung und Kooperation ist ausgesprochen wichtig.

Warum kann die Polizei nicht öfter rechtzeitig helfen?

Tersch: Die Polizei kann nur tätig werden, wenn sie auch gerufen wird. Ein Problem ist, dass sie oft zu spät gerufen wird oder gar nicht. Man darf nicht vergessen, dass es für viele Betroffene eine große Hürde ist, die Polizei überhaupt zu Hilfe zu rufen. Da spielt nicht nur Scham eine große Rolle, mit dem Anruf bei der Polizei kommt ja auch etwas in Bewegung, das das ganze Familiensystem betrifft. Gleichzeitig muss gesagt werden, dass bereits bis Ende November 900 Menschen durch ein Betretungsverbot vor einem Gefährder geschützt wurden.


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